Das gab es noch nie in der Geschichte der französischen Präsidentschaftswahl: Die Kandidaten der beiden großen Parteien haben die Stichwahl verpasst. Am 7. Mai treten Emmanuel Macron und Marine Le Pen gegeneinander an. Für beide wird es schwer, Mehrheiten im französischen Parlament zu finden.

Seit ein paar Monaten haben die Umfragen vorhergesagt, dass genau die beiden Kandidaten in die Stichwahl kommen, die es jetzt auch geschafft haben. Trotzdem war es knapp geworden: Macron, Le Pen, Fillon, Melenchon – sie alle bewegten sich zuletzt um die 20-Prozent-Marke herum.

Famke Krumbmüller von "OpenCitiz" lebt in Paris und berät Wirtschaftsunternehmen sowie Banken, Fonds und Versicherungen. Sie hat die Wahl für uns eingeschätzt.

"Normalerweise hat man mindestens 10 Prozent Unterschied zwischen dem zweit- und drittplatzierten Kandidat. Uns wurde ganz schön heiß die letzten Tage."
Famke Krumbmüller, Politikberaterin

Le Pen selbst nannte ihren Erfolg ein "historisches Ergebnis". Es sei jetzt "Zeit, das französische Volk zu befreien", sagte sie bei einem Auftritt im nordfranzösischen Hénin-Beaumont. Alle "Patrioten" sollten am 7. Mai für sie stimmen.

Dass sie es tatsächlich in den Élysée-Palast schafft, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Bereits am Wahlabend formierte sich eine breite Allianz mit der Absicht, eine Präsidentin Le Pen zu verhindern. "Es gibt keine andere Wahl, als gegen die Rechtsextreme zu stimmen", sagte etwa der unterlegene Kandidat der Konservativen, François Fillon.

"Jetzt, wo ihr Gegner Macron heißt, halte ich es für relativ ausgeschlossen, dass Marine Le Pen am 7. Mai zur Präsidentin Frankreichs gewählt wird."
Famke Krumbmüller, Politikberaterin

Der parteilose Emmanuel Macron sei ein Kandidat, mit dem sich das politische Establishment "relativ einfach" arrangieren könne, so Krumbmüller. Auch Benoît Hamon, der weit abgeschlagene Präsidentschaftskandidat der Sozialisten, rief dazu auf, Macron zu unterstützen. Mit 39 Jahren wäre er der jüngste Präsident, den Frankreich je hatte.

Neue Zeiten

Egal, wer der nächste Präsident oder die nächste Präsidentin Frankreichs wird – weder Macron noch Le Pen werden eine Mehrheit im französischen Parlament haben. Sie hat aktuell drei Abgeordnete, er gar keinen. Die Parlamentswahlen finden im Juni statt.

"Die Art und Weise, Frankreich zu regieren, wird sich ändern. Der Präsident oder die Präsidentin wird anders mit dem Parlament umgehen müssen."
Famke Krumbmüller, Politikberaterin