Die Polizei ist schon vor den Einbrechern da. Das wäre wahnsinnig praktisch. Dafür soll die Software Precobs sorgen. Sie soll voraussagen, wann und wo die Wahrscheinlichkeit für einen Einbruch besonders hoch ist. Die Prognose-Software gehört zu den Techniken des Predictive Policing, also zur voraussehenden Polizeiarbeit, und das erinnert auch ein wenig an Minority Report.

Precobs (Pre Crime Observation System) ist eine Prognose-Software. Diese wird gefüttert mit Daten schon begangener Einbrüche. Dazu zählen Angaben wie Tag und Uhrzeit des Einbruchs, erklärt Günter Okon, Erster Kriminalhauptkommissar des Bayerischen Landeskriminalamtes. Auch der Ort des Verbrechens, also Einfamilien- oder Mehrfamilienhaus, Geschäft oder Büro. Ebenso, wie die Täter vorgegangen sind, haben sie die Tür aufgehebelt oder ein Fenster eingeschlagen und so weiter.

Screenshot der Benutzeroberfläche der Software Precobs. Rechts im Bild ist ein Ausschnitt eines Stadtplans zu sehen mit Rechtecken markiert. Links und unten sind verschiedene Eingabefelder, die ausgefüllt sind.
© IfmPt
In München wird Precobs zurzeit getestet. Die Software errechnet, in welchen Gegenden die Wahrscheinlichkeit für Einbrüche besonders hoch ist.

Jeden Tag werden die aktuellen Einbrüche zusätzlich in die Software geladen. Precobs errechnet dann Wahrscheinlichkeiten, wo und wann Einbrüche stattfinden werden. Dafür setzt die Software darauf, dass kriminelle Einbrecher immer wieder ähnlich vorgehen.

"Professionelle Täter haben ein musterhaftes Verhalten."
Günter Okon, Erster Kriminalhauptkommissar des Bayerischen Landeskriminalamtes

Mit Hilfe von Precobs werden so Gegenden errechnet, die besonders gefährdet sind. Die einzelnen Polizeistationen vor Ort schicken dann mehr Streifen in die Areale, teils auch mehr Zivilfahnder. Ebenso wird auf Prävention gesetzt, auf Beratungen der Bürger und Infostände.

Die Wahrscheinlichkeit des nächsten Einbruchs

Seit Oktober läuft Precobs in München und Nürnberg im Test. Recht erfolgreich, findet Günter Okon. Die Einbruchszahlen seien im Vergleich zum Vorjahr um rund 20 Prozent zurückgegangen. Welchen Einfluss darauf Precobs habe, sei schwer nachzuweisen, aber sicherlich habe die Software geholfen, Einbrüche zu verhindern.

Aber dann ist die da noch die Frage nach dem Datenschutz. Denn Precobs gehört zu den Techniken des Predictive Policing, also zur voraussehenden Polizeiarbeit. Voraussehen bedeutet immer auch überwachen und kontrollieren.

"Wir setzen hier allein auf einen fallbezogenen Ansatz", sagt Günter Okon. Die persönlichen Angaben zu den Tätern und Opfern würden nicht benutzt. Doch Kritiker sehen die Gefahr, dass Precobs Begehrlichkeiten weckt, die sich nicht leicht begrenzen lassen. Die andere Frage ist natürlich auch, ob Einbrecher nicht einfach mit neuen Mustern reagieren, falls die Software dauerhaft und erfolgreich eingesetzt wird.

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