Die Journalistin Özlem ist wütend, aber kämpferisch, nachdem die türkische Polizei am 4. März 2016 ihre Redaktion gestürmt hat. Sie arbeitet weiter bei Zaman - unter Polizeiaufsicht.

Die 28-jährige Journalistin arbeitet seit einigen Jahren für die türkische Tageszeitung Zaman. Keine außergewöhnlich kritische Zeitung, aber immerhin war sie noch unabhängig. Während der Gezi-Proteste 2013 stand die Zeitung eher in der Kritik, weil sie darüber - wie manche andere Zeitungen - nicht ausführlich berichtet hat. Özlem*, so berichtet unser Reporter Markus Dichmann, der sie damals kennengelernt hat, hatte an der Haltung ihrer Redaktion nichts auszusetzen. Für sie galten die Demonstranten als Randalierer. Man könnte auch sagen, eine eher regierungsfreundliche Haltung.

Jetzt sieht sich Özlem und ihre Kollegen als ein Bollwerk der Demokratie gegenüber einer Diktatur. Über ihre augenblickliche Situation hat sie mit Markus gesprochen.

"We are not afraid of anything, because we know that we are on the right side of history. We are proud of ourselves, because we know that we didn’t do anything bad or criminal. We are defending democracy against dictatorship."
Özlem, Journalistin der türkischen Tageszeitung Zaman

Eine offizielle Erklärung, warum die Polizei die Redaktionsräume gestürmt hat, gibt es noch nicht. Özlem und ihre Kollegen arbeiten weiter, jetzt unter Beobachtung von Polizisten und unter der Kontrolle der Regierung. Zwei Tage nach der gewaltsamen Besetzung ist die Tageszeitung wieder erschienen. Die Artikel sind jetzt eher "regierungsfreundlich" zu nennen.

"The police is everywhere, inside the building and outside of it. We are being monitored all the time, we are being censored. They don't want any critical piece in the newspaper, they told us."
Özlem, Journalistin der türkischen Tageszeitung Zaman

Vermutlich ist der Grund für die Übernahme der Zeitung durch die Regierung ein Machtkampf zwischen dem Verlagschef Fetullah Gülen und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Viele rätseln darüber, warum die Regierung so hart gegen die Zeitung vorgeht. Auch Özlem hat keine Antwort darauf und vermutet ein eher allgemeines Unbehagen der Regierung gegenüber kritischen Medien: "Zaman Daily was the most influential newspaper and the government sees independent media as a threat. The government does not want people to know it's unlawful deeds."

*Name von der Redaktion geändert: Um die Sicherheit von Özelm zu gewährleisten, haben wir nur E-Mail-Kontakt mit ihr aufgenommen. Möglicherweise wird ihr Telefon und Skype-Anschluss überwacht. Ihre Antworten hat sie zu Hause mit einem Rekorder aufgenommen und häppchenweise über verschiedene Accounts aus unterschiedlichen Internetcafés an uns geschickt.

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