Die Hoffnung auf 2021 war groß: endlich eine Impfung, endlich vielleicht ein baldiges Ende der Pandemie. Dann kam die Nachricht von mutierten Varianten des Coronavirus. Wir klären, was es mit den Mutationen auf sich hat.

Dass Viren mutieren, ist nichts Außergewöhnliches. Bei einer Mutation verändert sich das Erbgut des Virus. Genauer gesagt betreffen die Veränderungen vor allem das Spike-Protein, mit dem das Virus an den Körperzellen andockt, um in sie einzudringen. Das Problematische daran ist, dass die Impfstoffe, die derzeit in Deutschland zugelassen sind, beide auf das Spike-Protein aufbauen.

Der Impfstoff regt nämlich die Körperzellen an, das fremde Virus-Protein herzustellen. Dadurch wird das Immunsystem aktiviert und bildet Abwehrkräfte gegen dieses Protein. Treten jetzt allerdings genau bei diesem Spike-Protein Veränderungen auf, könnte es natürlich sein, dass der Körper das neue, mutierte Virus nicht mehr erkennt, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Meike Rosenplänter.

"Diese Mutationen verändern das Erbgut des Virus. Das ist normal, Viren mutieren halt."
Meike Rosenplänter, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die wichtigste Frage, die also derzeit alle Forschenden rund um das Coronavirus beschäftigt, ist: Schützt uns der aktuelle Impfstoff auch vor den mutierten Coronaviren? Nach einigen Untersuchungen sagen die Forschenden bis jetzt: Ja, der Schutz ist weiterhin vorhanden. Das liegt auch daran, dass unser Immunsystem verschiedene Arten von Antikörpern gegen das Virus bildet und dieser Mix das Spike-Protein an unterschiedlichen Stellen angreifen kann.

Die Forschende haben sich dabei bisher hauptsächlich auf die Variante B 1.1.7, die im Dezember in Großbritannien entdeckt wurde, und auf die kürzlich in Südafrika nachgewiesene Variante 501Y.V2. konzentriert.

Mutationen sind ansteckender

Der bisher einzig entdeckte Unterschied zum ursprünglichen Sars-CoV-2 liegt in der Art der Ansteckungsgefahr. Die sei bei den Mutationen deutlich höher, sie können sich also schneller ausbreiten. Warum die neuen Varianten ansteckender sind, ist noch nicht klar.

"Der einzige Unterschied zum 'Ursprungsvirus' ist der, dass sich die Mutationen noch schneller ausbreiten, weil sie deutlich ansteckender sind."
Meike Rosenplänter, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Entdeckt wurde die Virusvariante durch Zufall in einem Labor in Großbritannien. Dort werde im Vergleich zu Deutschland das Erbgut der Viren viel häufiger untersucht: Etwa fünf Prozent der positiven Tests werden in Großbritannien sequenziert, in Deutschland sind es nur 0,2 Prozent der positiven Tests.

Komplexes Verfahren für die Erkennung einer Mutation

Warum das in Deutschland so sei, liegt an der Aufwändigkeit des Verfahrens: Man müsse die Originalproben aufheben, brauche bestimmte Geräte oder auch Bioinformatiker, die sich damit auskennen würden, sagt Isabella Eckerle. Sie ist Professorin an der Uni Genf und Leiterin einer Forschungsgruppe in der Abteilung für Infektionskrankheiten. Auf der Pressekonferenz des Science Media Centers lenkt sie aber auch ein, dass diese Tests die einzig sinnvolle Maßnahme wären, um die Ausbreitung von neuen Mutationen frühzeitig einzudämmen.

Für die Politik bedeuten die Mutationen, dass noch mehr darauf geachtet werden sollte, dass die bereits bestehenden Schutzmaßnahmen strikter von allen Bürgerinnen und Bürger befolgt werden sollten.