Wer sich mit dem Coronavirus infiziert, bildet unterschiedliche Formen der Immunabwehr. Bisher war aufgrund der dünnen Versuchslage unklar, wie lange diese Immunität anhält. Nach einem Jahr Corona haben Forschende genauere Zahlen.

Mit konkreten Schlüssen sind die Wissenschaflterinnen und Wissenschaftler auf dem neuen Forschungsgebiet Corona immer noch vorsichtig. Dennoch: Die Daten, die in der neuen Studie aus den USA erhoben wurden, zeigen die klare Tendenz, dass fünf bis acht Monate nach der Infektion bei fast allen untersuchten Personen noch mehr als die Hälfte der verschiedenen Immunabwehrelemente aktiv waren. Vor einer zweiten Infektion seien die Menschen in diesem Zeitraum also relativ sicher, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Britta Wagner.

"Fünf bis acht Monate nach einer Infektion sind bei fast allen Menschen noch mehr als die Hälfte der Elemente der Immunabwehr aktiv."
Britta Wagner, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Selbst wenn sich Menschen ein zweites Mal anstecken, was ja bereits einige Fallbeispiele bestätigen, falle die zweite Infektion für das vorbereitete Immunsystem nicht so schwer aus.

Studie über acht Monate

Für die Studie haben Forschende 180 Männer und Frauen aus den USA untersucht, die eine Covid-19-Infektion durchgemacht hatten. Die meisten der Untersuchten hatten milde Verläufe, sieben Prozent von ihnen waren wegen schweren Verläufen im Krankenhaus, teilweise sogar auf der Intensivstation.

Die Forschenden haben den Probandinnen und Probanden zu verschiedenen Zeitpunkten nach ihrer Infektion Blut abgenommen. Die längste Zeitspanne war acht Monate nach dem Ende der Symptome. Die Blutproben wurden dann auf die verschiedenen Formen der Immunabwehr, die der Körper noch aktiviert hatte, untersucht.

Drei Formen der körpereigenen Immunabwehr

  1. Die T-Zellen. Sie sind die "Killerzellen", die kranke Zellen vernichten. Bei Covid-19-Patienten gibt es davon zwei spezifische Formen. Funktioniert die Immunabwehr mit diesen Zellen gut, fällt die Infektion weniger schwer aus, wie einige Studien zeigen. Nach drei bis fünf Monaten ist die Hälfte der T-Zellen wieder verschwunden.
  2. Die Antikörper, die das Virus abfangen, bevor es die Körperzelle infizieren kann. Diese richten sich beispielsweise gegen das Spike-Protein des Sars-CoV-2-Virus. Die Antikörper waren laut der Studie auch noch sechs Monate nach der Infektion im Durchschnitt in größeren Mengen vorhanden. Wie viele Antikörper eine infizierte Person hat, ist allerdings sehr individuell.
  3. Die B-Zellen. Diese "Gedächtniszellen" bereiten die Immunabwehr für die Zukunft vor. Mit ihnen kann der Körper nach einer Infektion schnell wieder neue Antikörper produzieren, falls die Erreger wieder auftauchen. Laut der Studie waren die B-Zellen nach sechs Monaten sogar häufiger vorhanden als einen Monat nach der Infektion.

Hoffnung auf einen anhaltenden Impfschutz bis zu einem Jahr

Die Erkenntnisse der Forschenden geben auch Hoffnung darauf, dass die Impfung eine noch längere Wirksamkeit haben könnte. Das twitterte beispielsweise der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Auch andere Forschende haben vor ein paar Monaten bereits Hoffnung darauf gemacht, dass eine Impfung ähnlichen Schutz wie die natürliche Immunabwehr bieten könne.

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Der Immunologe Carsten Watzl geht sogar davon aus, dass eine Impfung die Immunabwehr besser wappne als eine durchgemachte Infektion. Dass man sich – wie bei der Grippe – regelmäßig nachimpfen lassen muss, steht derzeit noch außer Frage.