Eigenbedarf vorzutäuschen ist nur eine der unschönen Methoden, wenn Vermieter ihre Mieter loswerden wollen. Die Künstlergruppe Peng-Kollektiv will dafür Rache nehmen: Ein Anruf-Bot terrorisiert böse Vermieter. 

Das Telefon klingelt meistens nachts. Am Telefon zählt eine Stimme die Untaten des Vermieters auf, der mit Tricks die Mieter aus seiner Wohnanlage bugsiert hat. Es ist "Die Rückkehr der Entmieteten". Hinter den Anrufen an Vermieter aus Berlin, Frankfurt und Leipzig steckt das Peng-Kollektiv. Eine Woche lang will die Berliner Künstlergruppe mit den Mitteln skrupelloser Vermieter zurückschlagen.

"Die Rückkehr der Entmieteten"

Spontanbesuche, Telefonterror, Winter ohne Heizung oder Wohnungsverwahrlosungen seien eben solche Tricks, die auch Vermieter anwenden, wenn sie Mieter loswerden wollen, so das Peng-Kollektiv in einem Video zur Aktion. Das ist natürlich in Horrorfilm-Optik gemacht.

Knapp 40 Fälle hat das Künstlerkollektiv dazu gesammelt. Alles Fälle, in denen die Mieter aus den Wohnungen getrieben wurden, um - so das Peng-Kollektiv - noch mehr Gewinn aus der Immobilie herauszuschlagen. Zwar geht die Aktion nur eine Woche, die Künstlergruppe will jedoch weitere Fälle sammeln. Unter hauntedlandord.de kann man seinen Fall schildern.

"Ich hoffe, dass Sie manchmal ein schlechtes Gewissen haben. Dass Sie Ihre Eltern benutzt haben, um Eigenbedarf für unsere Wohnung vorzutäuschen. Wir haben die Wohnung einige Monate später auf Immobilienscout gefunden. Der Preis hatte sich mehr als verdoppelt."
Eine Ansage des Anruf-Bots

Müssen die Aktionskünstler für den Telefonterror nun selbst Ärger befürchten? Für Ulrike Schmidt, Fachanwältin für Mietrecht in Friedrichsdorf bei Frankfurt, ist der Fall schwer einzuordnen. Klar unter den Straftatbestand des Stalking falle er für sie nicht, auch da die Aktion begrenzt sei.

"Da müsste man schauen, wie häufig das in der Nacht ist und wie stark die einzelne Person sich bedroht und schwerwiegend beeinträchtigt sieht. Es ist ein wirklicher Graubereich."
Ulrike Schmidt, Fachanwältin für Mietrecht

Gegen Rufmord oder Verleumdung hat sich das Peng-Kollektiv insoweit abgesichert, dass es keine Namen der Vermieter nennt oder die Anrufe im Video zur Aktion lediglich nachstellt. Veröffentlicht werden auf ihrer Website allerdings die Adressen der betreffenden Häuser - stets gepaart mit den Worten des Anrufsbots, der die skrupellose Vermietermasche schildert.

Ruhestörung, Stalking, Nötigung?

Für Anwältin Ulrike Schmidt fällt die Aktion demnach eher unter Ruhestörung. Ein Erfolg versprechendes Mittel, um sich selbst gegen drangsalierende Vermieter zu wehren, sei Telefonterror aber nicht. Allen Mietern, die bedroht und unter Druck gesetzt werden, empfiehlt sie eine Anzeige und den Mieterschutzbund einzuschalten. Und noch etwas sei wichtig, um gegen die Profitgier von Vermietern vorzugehen: sich mit den anderen Hausbewohnern zusammenzutun. So steige der Druck, sagt die Fachanwältin für Mietrecht.