Marschieren gegen Waffengewalt oder einfach nur gegen einen ungeliebten Fußballverein - der Marsch ist ein Ereignis. Und funktioniert deshalb als Protestform oft besser als die klassische Demonstration.

Spätestens seit in den USA Tausende Menschen beim "March for our Lives" für schärfere Waffengesetze demonstrieren, hat die Protestform Marsch weltweit neue Berühmtheit erlangt. Der Protestforscher Sebastian Haunss, Politikwissenschaftler an der Universität Bremen, bescheinigt dem Marsch aktuell sogar eine "Konjunktur".

Märsche gegen und für alles Mögliche

Beispiele für Märsche gibt es einige: In den USA fand im Januar 2017 der "Women's March on Washington" statt, im April weltweit der "March for Science". In ganz Europa trafen sich im März 2017 Menschen zum "March for Europe".

Und auch lokal werden immer wieder Märsche organisiert, etwa in Köln ein Marsch für Frauenrechte, ein BVB-Fanmarsch gegen RB Leipzig, ein Protestmarsch der IG Metall oder auch ein "Frauenmarsch" in Berlin, organisiert durch die AfD.

"Märsche haben ein starkes Mobilisierungselement, weil sie auf ein Ereignis hin fokussieren."
Sebastian Haunss, Universität Bremen

Märsche hätten im Vergleich zu ortsfesten Demonstrationen ein besonderes Aktivierungspotenzial, sagt Protestforscher Haunss: "Sie haben ein starkes Mobilisierungselement, weil sie auf ein Ereignis hin fokussieren." Es gebe eben diesen einen Marsch, bei dem man mitmachen kann - und er hat einen definierten Anfang und ein Ende.

Ein Marsch alleine ziehe aber noch keine Menschen an, sagt Haunss: "Ob jemand mitmacht oder nicht, liegt in erster Linie am Thema." Das bestimme auch, ob sich zum Beispiel eher die Älteren oder die Jüngeren angesprochen fühlen. Bei den traditionellen Ostermärschen sei der Altersschnitt deshalb auch höher als bei Veranstaltungen mit einem sehr aktuellen Thema.

Märsche in Deutschland auch als Aufmärsche der Rechten bekannt

Während in den USA der Begriff "March" seit jeher tendenziell positiv besetzt ist, weil sie mit den Bürgerrechtsbewegungen der 60er- und 70er-Jahre verbunden werden, ist die Bewertung in Deutschland weniger einfach.

Simon Teune, Forscher am Institut für Protest- und Bewegungsforschung, sagt, in Deutschland würden Märsche eher als "Auf-Märsche" von rechten Gruppierungen gesehen. Protestforscher Haunss von der Universität Bremen verweist dagegen auf die Ostermärsche - die seien klassischerweise links motiviert.

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