In den USA, in Deutschland und der ganzen Welt sind am Samstag (22.04.2017) Leute auf die Straße gegangen, um für mehr Anerkennung der Wissenschaft und gegen die Verbreitung falscher Thesen zu protestieren.

Fortschreitende Wissenschaftsskepsis, gefühlte Wahrheiten, staatliche Repression oder auch Populismus - wir müssen nicht so weit schauen, um solche Tendenzen festzustellen. In der Türkei, in den USA oder auch in Ungarn werden diejenigen lauter, die die freie Wissenschaft angreifen. Und auch wenn es uns hier in Deutschland noch recht gut geht, sagt Wissenschaftlerin Tanja Gabriele Baudson - mit dem March for Science wolle man ein Zeichen setzen.

"Uns ist die Freiheit der Wissenschaft wichtig - und es ist wichtig, dass wir diese wertschätzen und schützen. Dafür wollen wir ein Zeichen setzen."
Tanja Gabriele Baudson - hat die Märsche in Deutschland mitorganisiert
Wissenschaftler bei einer Demo
© Jürgen Scheere/FSU
March of Science - auch in Jena fand einer statt.

Tausende sind bei mehreren Märschen in Deutschland für die Wissenschaft auf die Straße gegangen, weltweit gab es mehr als 600 Demonstrationen. Der March for Science-Hauptprotestzug fand in Washington DC statt und führte direkt am Weißen Haus vorbei - damit auch Präsident Donald Trump etwas von ihm mitbekommt. Er gilt als forschungsfeindlich: Den Klimawandel nennt er eine "Ente" und er lässt sich öfter zu wissenschaftlich nicht belegbaren Thesen hinreißen.

Wissenschaft muss auf Menschen zugehen

Warum ist Wissenschaftsskepsis so populär derzeit? Tanja Gabriele Baudson hat dazu eine These. Sie meint, die Menschen bekommen nicht gut genug vermittelt, wie Wissenschaft funktioniert - nämlich über empirische Daten. 

Da kann es natürlich auch mal zu widersprüchlichen Aussagen kommen, je nachdem, welche Methode angewandt wird. Bei der Bevölkerung komme dann oft an: Die Wissenschaft weiß es eh nicht, da verlasse ich mich lieber auf mein Bauchgefühl. Widerspruch sei aber ein notwendiger Teil des Erkenntnisgewinns.

"Wir sehen den Populismus, der überall zunimmt und auch als politisches Mittel angewandt wird. Das beobachten wir in Deutschland und in vielen anderen Ländern. Letzten Endes ist die Wissenschaft ein Korrektiv dagegen."

Umfragen zeigen, dass die Einstellung gegenüber der Wissenschaft sehr gespalten ist, sagt Tanja Gabriele Baudson. Einerseits gibt es großes Interesse, etwa an Wissenschaftsblogs oder wissenschaftlichen Fernsehformaten. Aber andererseits sagen viele auch, dass man der Wissenschaft nicht zu sehr vertrauen sollte.

Um dieses Dilemma zu lösen, müsste die Wissenschaft mehr auf die Menschen zugehen. "Wir wollen in Kontakt mit den Leuten treten und die Wissenschaftskommunikation angehen", sagt Tanja Gabriele Baudson. Zum Beispiel schon im Studium. Auch an der Universität müsste man mehr Wert auf Public Outreach legen, also auf eine Art der Kommunikation, die für die breite Masse verständlich ist.