Vom gedanklichen Tief bis zur Existenzangst: Unsere Psyche kann uns stressen. Corona macht solche Phasen nicht unbedingt entspannter. Die Psychologin Toyah Priyadarshini Sitz weiß sich und uns zu helfen.

Toyah ist Psychologin und Körper-Therapeutin. Auf Instagram postet Toyah regelmäßig über ihr Leben als Therapeutin und wie wir auf unsere Psyche achtgeben können. Im Besonderen erklärt sie uns im Gespräch, wie sich die psychische Widerstandskraft und seelische Gesundheit stärken lässt.

Radikal alle Gefühle zulassen

Ob Portemonnaie verloren oder Streit mit dem Partner oder der Partnerin: Laut Toyah dürfen wir bei akutem Stress ruhig unseren Ärger herauslassen. Sie spricht aus Erfahrung.

"Ich werde jetzt 10 Minuten wütend sein und schreien, wie doof diese Situation gerade ist. Das darf auch sein. Dann aber schauen, wie ich wieder handlungsfähig sein kann."
Toyah Priyadarshini Sitz, klinische Psychologin und Körper-Therapeutin

Im nächsten Schritt müssen wir die Dinge so hinnehmen, wie sie sind. Dann gilt es einen ruhigen Kopf zu bewahren und sich gezielt zu überlegen, was als Nächstes zu tun ist. So schaffen wir Abstand zu unserem Unmut. "Wenn wir das nicht machen, sind wir so damit beschäftigt, dass wir nicht mehr in eine Lösung schauen können."

Ihren Klientinnen und Klienten versucht Toyah das bildhaft zu erklären. Vergleichbar sei der psychische Stress etwa mit Weihnachtsgeschenken, die man sich nie gewünscht habe. "Dazu muss man sie aber erst mal in die Hand nehmen. Wenn man sie in den Schrank stellt und wütend darüber ist, kommt man da nicht mehr raus."

Laut Toyah müssen wir übrigens nicht permanent positiv denken. Auch die Metapher von uns als standhafte Eiche im Wald sei laut der Expertin völlig überholt.

"Es ist viel schöner, ein Grashalm zu sein, der flexibel, anpassungsfähig und biegsam ist."
Toyah Priyadarshini Sitz, klinische Psychologin und Körper-Therapeutin

Denn: Für Toyah bedeutet Resilienz und Stabilität, auch mal hinfallen zu dürfen und später wieder aufzustehen.

In uns reinhören

Wie uns gerade während Corona und anderer Krisen die Handlungsfähigkeit verlässt, merken wir vor allem daran, dass uns die Kontrolle entgleitet. Dann keimt plötzlich eine unfassbare innere Anspannung auf, die sich in Angst oder Wut entlädt.

Nur was dagegen tun? Besonders heilsam für uns sind kleine Momente im Alltag, in denen wir in uns selbst reinhören. "Was brauch ich gerade?", ist dabei die Frage, die wir uns stellen sollten.

Von Routinen und Ritualen

Es könne schon helfen, sich einfach mal zehn Minuten hinzusetzen, meditieren oder mit Freundinnen und Verwandten zu Lachen, sagt Toyah. "Oder einfach mal sich abends mit einem Wein hinsetzen und überhaupt kein Ziel haben." Dabei geht es immer um den Ausgleich zwischen An- und Entspannung und das richtige Maß. Das Glas Wein mag im Moment helfen, langfristig brauchen wir aber eine andere Strategie. Aber Achtung: Zu viel Selfcare kann uns unter Druck setzen.

Sobald wir wissen, dass wir uns bei Stress zuerst auf uns selbst besinnen müssen, können uns diese Routinen und Rituale behilflich sein. Aber nur die Ruhe! Bis das Ritual richtig sitzt, können laut Toyah auch schon mal sechs Wochen vergehen.

Zum Abschluss gibt Toyah noch Entwarnung: Dass wir uns in der Pandemie noch mehr Sorgen machen, sei ganz normal. Immerhin: "Ohne Zukunft gibt es keine Angst." Gleichzeitig sollten wir nicht vergessen, welche Angebote es gerade jetzt im Netz gibt, um uns gegenseitig aufzubauen. Zum Beispiel den Krisenchat, an den sich junge Menschen in Krisenzeiten via WhatsApp wenden können.

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