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Während der Pandemie verstärken sich psychische Probleme – insbesondere Angststörungen. Das ist noch eine These, aber es gibt einige konkrete Hinweise darauf.

Seit dem zweiten Weltkrieg habe es keine größere Bedrohung für die psychische Gesundheit gegeben als die Covid-19-Pandemie, davon ist der renommierte britische Psychiater Adrian James überzeugt.

Zunahme psychischer Probleme vermutet

Zwar ist das Phänomen noch nicht systematisch untersucht, erste Berichte aus der psychologischen Praxis gibt es aber bereits. Die Medizinerin Kamila Jauch-Chara vermutet, dass psychische Probleme im Zusammenhang mit der Pandemie noch zahlreicher werden könnten.

"Die aktuelle Pandemiesituation kann dazu beitragen, dass Ängste noch einmal deutlich zunehmen."

Bereits 2017 litten 15 Prozent der Deutschen an Angststörungen. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. Das sind rund 12 Millionen Menschen. Demnach wäre jede siebte Person betroffen.

Zunehmender Hilfsbedarf

Angststörungen nehmen damit statistisch ohnehin den Spitzenplatz unter den psychischen Erkrankungen ein, noch vor Depressionen. Die Pandemiesituation verstärke aber auch Ängste, die keinen direkten Gesundheitsbezug haben, sagt Kamila Jauch-Chara. Die ärztliche Direktorin des Zentrums für integrative Psychologie in Kiel berichtet von einer merklichen Zunahme der Hilfsanfragen.

"Wir beobachten aktuell, dass sehr viele Menschen, die bislang noch nie aufgrund psychischer Auffälligkeiten in Behandlung waren, sich mit der Frage nach Hilfe an uns wenden."

Konkrete Zahlen gibt es dazu leider noch nicht. Die Techniker-Krankenkasse etwa gibt folgende Auskunft: "Ein außergewöhnlichen Anstieg von Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen wegen Corona ist für das erste Halbjahr 2020 nicht festzustellen.“ Auch die Zahlen, auf die der Brite Adrian James sich beruft, sind nicht gemessen, sondern nur modelliert. Kamila Jauch-Chara glaubt aber dennoch, dass dieser Anstieg langsam und verzögert spürbar sein wird.

Die Medizinerin möchte dem entgegenwirken. Gemeinsam mit der Krankenkasse IKK-Nord hat sie gegen Angststörungen die App Invirto entwickelt. Darin wir eine Enge-Situation simuliert. Anwendende der App können sich beispielsweise ihrer Platzangst stellen und sie im besten Fall überwinden.