Ein Tag am Computer kann sich kälter anfühlen, als er eigentlich ist. Kreislauf und Licht spielen dabei für den Psychologen Martin Grunwald nur eine Nebenrolle.

Auch 20 Grad können sich im Homeoffice noch kühl anfühlen – manche Menschen frieren leichter, wenn sie daheim am Laptop sitzen. Unser Reporter Dominik Peters ist einer von ihnen. Speziell an den Füßen wird ihm kalt.

Klar, im Homeoffice bewegen wir uns weniger. Wir müssen nicht morgens zur Bahn, zum Auto oder zum Fahrrad hechten. Der Weg in die eigene Küche ist nicht so weit wie der Weg in die Kantine. Deswegen kommt unser Kreislauf kaum in Schwung und ein Kältegefühl kann sich einstellen.

Echte Menschen verursachen ein Gefühl von Wärme

Außerdem spielt auch Licht eine Rolle: Wer sich morgens an den Schreibtisch setzt, ohne vorher Tageslicht gesehen zu haben, dessen innere Uhr kommt durcheinander. Das kann ein Gefühl von Müdigkeit und Kälte auslösen.

"Ich glaube, die Kälteempfindungen im Homeoffice können auch ein Anzeichen dafür sein, dass man sich schlicht und ergreifend einsam fühlt."

Eine Runde um den Block gehen, als gefakter Arbeitsweg, kann da schon helfen. Einerseits kommt so der Kreislauf in Schwung, andererseits sehen wir andere Menschen. Und das ist der weitaus wichtiger Punkt, denkt der Psychologe Martin Grunwald, der das Haptik-Forschungszentrum der Universität-Leipzig leitet.

Menschen sind seiner Überzeugung nach soziale Wesen. Das Homeoffice sei hingegen hochgradig asozial. Martin Grunwald ist überzeugt, dass beim Kälteempfinden im Homeoffice psychische Faktoren schwerer wiegen als physiologische.

"Das Einsamkeitsgefühl ist schon individuell, aber es kann dazu führen, dass man eine kalte Empfindung hat, die sich auf der psychischen Ebene abspielt."