Lehrer, Eltern oder Therapeuten warnen vor den schlimmen Nebenwirkungen, die die Neuen Medien mit sich bringen, vor der Unruhe und Gehetztheit, die unser Leben bestimmen, und vor den Gefahren für unsere psychische Gesundheit.

Psychologen diagnostizieren bei Patienten Internetsucht und Burn-out. Doch eigentlich handele es sich dabei um Zeitdiagnosen, um Kritik daran, wie wir gerade leben, sagt der Journalist Jens Bergmann. Sein Vortrag ist eine Abrechnung mit psychologischen Modediagnosen.

"Derzeit beklagen viele die allgemeine Beschleunigung, Unruhe, Hektik. Hinzu kommt die ständige Ablenkung durch das allgegenwärtige Internet."

Bergmann ist stellvertretender Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins Brand eins. Er hat Psychologie und Journalistik studiert und ein Buch geschrieben: "Der Tanz ums Ich: Risiken und Nebenwirkungen der Psychologie". In seinem Vortrag erklärt er, was Psychologie und Journalismus verbindet. Beide erzählen Geschichten. Wenn es Psychologen gelingt, interessante Storys zu entwerfen, die unserem Zeitgeist entsprechen, dann entstehen daraus auf einmal neue Krankheitsbilder, die oft und gerne diagnostiziert werden, aber wissenschaftlich nicht unbedingt zu untermauern sind.

"Wer ein Burn-out hat, der soll eine Therapie machen, wer sich bei der Arbeit nicht konzentrieren kann, der kriegt ein Achtsamkeitstraining. Dass sich so gesellschaftliche Probleme lösen lassen, darf bezweifelt werden."

Im Anschluss an den Vortrag ging es bei diesem Kolloquium um die psychiatrische Praxis. Jan Kalbitzer arbeitet als Psychotherapeut und ist Leiter der AG Internet und seelische Gesundheit an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité in Berlin. In seinem Vortrag vergleicht er die Ergebnisse vieler wissenschaftlicher Studien zum Thema Internet – zum Beispiel, dass mehr als die Hälfte aller Menschen von einer Internetsucht gefährdet seien – mit seinen Erfahrungen aus der psychiatrischen Praxis. Sein Vortrag hat den Titel "Contenance! Vom gesunden Umgang mit Technik jenseits von Panikmache und blinder Euphorie".

Bergmanns Vortrag hat den Titel "Ich bin okay, du bist nicht okay". Er hat ihn am 25. April 2018 auf dem 22. Berliner Kolloquium der Daimler und Benz Stiftung gehalten, "Internet und seelische Gesundheit. Forschung jenseits von Technikangst und Bedenkenlosigkeit".


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