Lachen ist ansteckend – Stress leider auch: Beobachten wir gestresste Personen, reagiert unser Körper und schüttet ebenfalls Stresshormone aus. Das passiert ganz automatisch und besonders dann, wenn sich zwei Personen nahestehen.
Wir Menschen sind soziale Wesen, wir sind empfindsam und mitfühlend, auch wenn es um Stress geht. Ein Beispiel: Wir beobachten eine Prüfungssituation, vielleicht kennen wir die Person sogar, die gerade geprüft wird. Ganz unmittelbar überträgt sich der Prüfungsstress auf uns, unser Körper reagiert sofort, sagt die Psychologin Veronika Engert, die zur Stressübertragung forscht.
"Unser gesamtes Stresssystem wird aktiviert. Das heißt, wir kriegen sympathische Reaktionen, die hormonelle Stressachse wird angestoßen."
Durch die Ausschüttung von Noradrenalin, Adrenalin und des Stresshormons Cortisol wird der Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Diese Alarmbereitschaft dient eigentlich dazu, in Gefahrensituationen schnell handeln zu können, unser Reaktionsvermögen steigt. Prinzipiell ist es daher sinnvoll, dass wir sensibel für solche Informationen sind.
Wir haben Stress, wenn andere gestresst sind
Wie gut wir die Anspannung anderer mitbekommen, hat Psychologin Engert mit Experimenten herausgefunden. Sie setzte eine Person einer stressigen Situation aus, während der Partner oder die Partnerin hinter einer verspiegelten Scheibe zuschaute. Das Ergebnis: Das Cortisol-Level der beobachtenden wie der getesteten Person stieg an. Allein durchs Zuschauen übertrug sich also der Stress.
Stress kann man riechen
Stress kann sich auch auf einem anderen Weg übertragen, nämlich über die Nase. Den Stress anderer Menschen können wir riechen, sagt Veronika Engert – auch, "ob der andere psychosozial gestresst ist oder einfach nur den Berg hochgejoggt ist."
"Man riecht den Schweiß und kann sogar unterscheiden, ob das Angstschweiß oder Sportschweiß ist."
Weil diese Stressübertragung heute oftmals überhaupt keinen Sinn macht, da ja keine echte Gefahr für uns besteht, sind wir in solchen Situationen womöglich überflüssigerweise gestresst. Zu viel Stress kann uns schaden, körperlich und mental. Darum sind in solchen Situationen Methoden hilfreich, die uns helfen, Abstand zu nehmen von den Gefühlen anderer.
Sich nicht anstecken lassen
Wiebke Grimmig arbeitet als systemischer Coach und empfiehlt in solchen Situationen zum Beispiel ein Gedankenspiel für einen Perspektivwechsel.
"Wenn ich mir vorstelle, ich sitze im Kino und schaue mir die Situation auf der Leinwand an: Was passiert eigentlich wirklich?"
Indem wir von außen auf die Situation, auch auf uns selbst und unsere Gefühle, blicken, können wir viel einfacher klären, wie und warum wir gestresst sind, erklärt die Mentorin.
Es gibt noch viele andere Übungen und Maßnahmen, die uns gerade auch bei chronischem Stress helfen können. Auch Sport kann ein Vehikel sein, um Stress abzubauen und gelassener zu werden. Und was ebenfalls hilft: mehr lachen.
