"Das glaubst du doch selber nicht." - Damit lässt sich so mancher Lüge direkt den Wind aus den Segeln nehmen. Manchmal aber fallen wir wirklich selbst auf unsere Lügen rein.

Das Grundprinzip des Lügens funktioniert ungefähr so: Ich weiß, dass etwas falsch ist, möchte aber, dass es mir jemand glaubt. Dann wird die Wahrheit zurechtgebogen, bis wir haben, was wir wollen. Beispielsweise winden wir uns mit einer Ausrede aus dem Date, ohne dem anderen eine unangenehme Ansage machen zu müssen.

Und manchmal fallen wir sogar auf unsere eigene Lügen hinein. Besonders, wenn wir uns sehr wünschen, dass es stimmt, was wir uns da ausgedacht haben. Oder aber wenn wir Wissenslücken überdecken wollen.

Wir sind Geschichtenerzähler

Ein guter Nährboden für Selbsttäuschung sind daher Erinnerungslücken, erklärt Jeannette Schmid, Psychologie-Professorin an der Uni Frankfurt. Um Unsicherheiten und Ungenauigkeiten zu überspielen, dichten wir einfach etwas dazu. Je häufiger wir die eigene Lüge wiederholen, je mehr wir sie in unserem Kopf weiterspinnen, desto realer erscheint sie uns. Wir verdrängen allmählich, was da eigentlich mal gelogen war.

"Wir sind sehr oft keine guten Zeugen: Wir denken über Lücken in unserer Erzählung nach und ergänzen diese entsprechend. Die Ergänzung wird plötzlich so erlebbar, dass wir denken, wir haben es erlebt.“
Jeannette Schmid, Professorin für Psychologie Universität Frankfurt

Für ein bisschen Selbsttäuschung ist im Prinzip jeder empfänglich, sagt Jeannette Schmid. Denn sie fungiert als Abwehrmechanismus: Sie mildert die Wahrheit ab und macht unsere eigenen Defizite etwas erträglicher.

"Wenn man eine Überzeugung gebildet hat, beispielsweise um die eigene Angst zu bewältigen, kann es sehr wichtig für einen werden, an dieser Überzeugung festzuhalten."
Jeannette Schmid, Professorin für Psychologie Universität Frankfurt

Richtig schwierig wird es, wenn aus der leichten Schönfärberei echter Selbstbetrug wird, der keinen Widerspruch mehr zulässt. Anfällig dafür sind vor allem Menschen mit einem "aufgeblähten Selbstwertgefühl". Denn um dieses zu verteidigen, befinden sie sich permanent in Kampfposition: Alles, was nicht in das eigene Selbstbild passt wird abgeblockt - nicht nur gegenüber anderen, sondern auch gegenüber sich selbst.

Erfolgreich Lügen

Krankhaft wird diese Art der Selbsttäuschung beispielsweise bei Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Sie lügen, um ihren eigenen Willen durchzusetzen, Anerkennung zu bekommen und sich selbst zu erhöhen.

Psychoanalytisch betrachtet, ist so ein selbsttäuschendes Verhalten durchaus problematisch. Geht es aber nach dem Evolutionsbiologen Robert Trivers hat das auch Vorteile: Wenn ich selbst glaube, ich sei super klug, dann sei es viel einfacher andere davon zu überzeugen. Trivers schlussfolgert daraus: Selbsttäuscher sind erfolgreicher als ehrliche Menschen.

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