Der Psychologe und Sportdirektor von Greuther Fürth Martin Meichelbeck geht davon aus, dass die Spieler von Borussia Dortmund traumatisiert sind. Was es jetzt brauche sei Zeit, Freiraum und spezielle Therapeuten.

Nachdem die UEFA entschieden hat, dass das Champions-League-Spiel Dortmund gegen Monaco einen Tag nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus ausgetragen wird, wird die Frage gestellt: War das zu früh? Trainer Thomas Tuchel und einige Spieler haben beschrieben, welche Belastung der Anschlag für sie darstellt und warum sie gerne gefragt worden wären, wann sie bereit sind für ein Nachholspiel.

"Wir haben es hier mit traumatisierten jungen Menschen zu tun."
Martin Meichelbeck, Psychologe und Sportdirektor bei Greuther Fürth

Martin Meichelbeck sieht das ähnlich. Er ist ehemaliger Fußball-Profi, der aktuelle Sportdirektor bei der Spielvereinigung Greuther Fürth und Psychologe. Er hat Sportpsychologie und Soziale Verhaltenswissenschaften studiert. Meichelbeck sagt: "Wir haben es hier mit traumatisierten jungen Menschen zu tun. Jeder Spieler verarbeitet solch ein Trauma anders. Jeder braucht seinen Raum und die Zeit, damit umzugehen."

Auch würden in einer solchen Situation die Vereins-Sportpsychologen gegebenenfalls nicht ausreichen, weil sie nicht für die Behandlung von Traumata ausgebildet sind. Meichelbeck bringt spezielle Traumaexperten ins Spiel.

"Ein Psychologe muss auch aktiv auf die Spieler zugehen."
Martin Meichelbeck, Psychologe und Sportdirektor bei Greuther Fürth

Generell sei im Profi-Bereich die grundsätzliche psychologische Betreuung stagnierend oder sogar rückläufig, sagt der Psychologe Meichelbeck. "Das ist ein Problem, dass viele Vereine noch nicht erkannt haben, dass das ein notwendiger Baustein in der Betreuung ist."

In manchen Vereinen gebe es den Grundsatz, dass Spieler bei Bedarf psychologische Hilfe in Anspruch nehmen können. Meichelbeck hält das für fragwürdig. Er sagt, einerseits müsse psychologische Arbeit immer auf freiwilliger Basis passieren. Andererseits müsste ein Psychologe aber auch aktiv auf den Spieler zugehen und ihm mitteilen, welche Beobachtungen er gemacht hat.

"Bemerkenswert"

Meichelbeck hat den Eindruck, dass Borussia Dortmund die Situation gut gemeistert hat. "Das fand ich als Außenstehender bemerkenswert."