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Von den Ungeimpften sind 20 Prozent impfbereit, 24 Prozent sind unsicher und 56 Prozent wollen nicht. Beratung hilft, Bewertung nicht, findet Psychologin Cornelia Betsch.

Knapp 63 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind inzwischen vollständig gegen Covid-19 geimpft (Stand 16.09.2021). Die Psychologin Cornelia Betsch beschreibt die Impfung als sozialen Vertrag: "Ich schütze dich, du schützt mich." Die Geimpften seien ein gewisses Risiko durch die Impfung eingegangen und erwarteten nun, dass der andere das auch tut.

Impfwissen im Überfluss

Bei denen, die grundsätzlich nicht geimpft werden wollen, seien Sicherheitsbedenken eigentlich der wichtigste Faktor, berichtet Cornelia Betsch. Sie weist darauf hin, dass das medizinische Wissen über die Covid-19-Impfstoffe inzwischen ziemlich umfangreich ist.

"Mittlerweile sind über drei Milliarden Impfdosen verimpft worden. Man weiß jetzt über diese Impfstoffe sehr viel."
Cornelia Betsch, Psychologin, Universität Erfurt, über Zahl der Covid-19 Impfungen

Ganz unabhängig von dieser Erwartungshaltung der Geimpften bleibe das Impfen eine medizinische Entscheidung, sagt Cornelia Betsch. Folgerichtig sollten Unentschiedene auch in erster Linie mit Ärzten und Menschen aus dem Gesundheitswesen über die Impfung sprechen.

Psychologin Cornelia Betsch, fotografiert im Oktober 2018
© dpa | Martin Schutt
Psychologin Cornelia Betsch, fotografiert im Oktober 2018
"Guckt doch nicht ins Internet oder fragt Freunde, sondern geht zum Arzt und lasst euch von einer Fachperson beraten"
Cornelia Betsch, Psychologin, Universität Erfurt, über die richtige Anlaufstelle für Informationen zur Impfung

Es könne helfen, Unentschiedenen anzubieten, sie zur Impfung zu begleiten, sagt die Psychologin. Wer wirklich die Auseinandersetzung suche, müsse das Gegenüber ernst nehmen. Sie findet: "Wenn man sich darüber auseinandersetzen möchte, ist wichtig, dass man erst mal die Fragen der anderen Person ernst nimmt, dass wir uns nicht gegenseitig sofort zerfleischen."

Ungeimpfte und ihre Motive

Die Ungeimpften teilen sich derzeit in drei, nach Motiven unterscheidbare Untergruppen auf, sagt Cornelia Betsch. Ihr zufolge sind ungefähr 20 Prozent impfbereit, 24 Prozent sind unsicher und zögern und die verbleibenden 56 Prozent wollen nicht.

Sie kann sich vorstellen, diese Gesamtgruppe am ehesten mit No-Judgement-Zones zu erreichen. In den USA informiert in entsprechend gekennzeichneten Bereichen medizinisches Personal ohne Bewertung des Impfstatus'. Dieses Informationsangebot kombiniert mit Bratwurst- oder Zooimpfen hält sie für einen erfolgversprechenden Ansatz.

"Jetzt entscheiden wir, wie wir – jeder persönlich – aber auch als Gesellschaft in diesen Herbst gehen."
Cornelia Betsch, Psychologin, Universität Erfurt