Gerade an Weihnachten kann ein schwieriges Verhältnis zu den Eltern belasten. Doch das muss nicht sein. Ein neuer Blick auf die eigene Kindheit kann helfen.

In einem ersten Schritt geht es darum, die eigene Kindheit als das anzuerkennen, was sie war. "Man kann die Kindheit nicht im Nachhinein glücklich machen, wenn sie es nicht war", sagt Ursula Nuber. Sie ist Psychologin, war Chefredakteurin der Zeitschrift Psychologie Heute und hat unter anderem das Buch geschrieben: "Lass die Kindheit hinter Dir".

Unglückliche Kindheit - glückliches Leben

"Es ist aber nie zu spät, ein glücklicher Mensch zu werden - trotz einer unglücklichen Kindheit", sagt sie. Besonders wichtig sei es zu erkennen, wann sich das Kind in uns meldet. Häufig passiert dies in Stress-Situationen. Dann verhalten wir uns so, wie wir es eigentlich nicht wollen.

"Unter Stress kann man sich am wenigsten wehren."
Psychologin Ursula Nuber

Wir kuschen vor der Chefin, schmeißen die Vase an die Wand oder wollen einfach die Decke über den Kopf ziehen. "All das können Hinweise darauf sein, dass hier Gefühle auftauchen, die zu uns als Erwachsenen eigentlich nicht passen", sagt Ursula Nuber. Dabei leiden wir selbst am meisten.

Verhalten aus der Kindheit überwinden

Ihren Ursprung haben diese Verhaltensweisen meist in der Kindheit. Hier hat sich genau dieses Verhalten als sinnvoll und nützlich erwiesen, als eine Art Überlebens-Strategie.

Wer zum Beispiel der Mama immer alles von den Augen abgelesen hat, wird gelernt haben, dass die Mama dann nicht böse wird, weniger traurig ist oder sogar Anerkennung verteilt. Im Erwachsenen-Alter können diese Muster allerdings dazu führen, dass es einem schwer fällt, Grenzen zu setzen und einfach mal "Nein" zu sagen.

"Debattiert mit euren Glaubenssätzen!"
Psychologin Ursula Nuber

"Wir legen uns Strategien als Kind zurecht und benutzen sie auch noch als Erwachsener, aber ohne Überprüfung", sagt Ursula Nuber. Sie wirken als sogenannte Glaubenssätze oder Beliefs in uns weiter: Das schaffe ich nie! Ich muss alles perfekt erledigen! Oder: Ich bin nichts wert.

"Die Opfer-Perspektive kann einen fesseln."
Psychologin Ursula Nuber

Für viele Menschen steht früher oder später das Verhältnis zu den eigenen Eltern im Zentrum der Aufarbeitung. Hier sei es wichtig, auch immer wieder das Gegenüber zu sehen: Eltern seien nicht nur Täter, man selbst nicht nur Opfer. "Dieser Perspektivwechsel kann eine Befreiung sein", sagt die Psychologin.

In Eine Stunde Talk erzählt Ursula Nuber, wie wir es schaffen können, unsere Kindheit loszulassen, wie Vergeben gelingen kann – und wie sie Weihnachten feiert.