Als im September 1982 drei Musiker in einem besetzten Haus in Berlin-Kreuzberg auftreten, wusste noch niemand, dass ihr Erfolg 40 Jahre anhalten wird. Seitdem haben "die Ärzte" über ein Dutzend Alben veröffentlicht und Hunderte Konzerte gespielt.

Im Berlin Anfang der 1980er-Jahre sind die Nächte lang und finden für viele Musikfans im SO36 in der Oranienstraße statt. In dem Musiklub in Kreuzberg wird gerade etwas Neues geboten: Punkmusik.

Den Anfang hatten Musiker in London und New York gemacht. Mit spektakulären Bühnenshows war Iggy Pop Mitte der 70er-Jahre in den USA zum "Godfather of Punk" ernannt worden. Kurz vorher hatten sich Lou Reed mit "The Velvet Underground" und die legendären "Sex Pistols" einen Namen in der Szene gemacht. So wie ihre Vorbilder möchten auch die Musiker*inner in Westdeutschland sein.

West-Berlin: Punk im Herzen

In Hamburg gründen sich 1979 "Slime", deren erste Platte wegen Gewalt verherrlichenden Texten verboten und konfisziert wird. Bald treten Nina Hagen, "Fehlfarben" oder "Abwärts" auf und machen ihrem Frust an gesellschaftlichen Konventionen oder – ganz allgemein – am Kapitalismus Luft.

West-Berlin entwickelt sich zum Biotop für die Punkszene und die Oranienstraße 198 zu ihrem neuen Wohnsitz. Alle, die Punk hören wollen, kommen in das besetzte Haus nach Kreuzberg. Seit zwei Jahren leben die Punks oben in den Wohnungen und organisieren im Erdgeschoss Konzerte.

Beginn einer 40-jährigen Karriere

Am 28. September 1982 treten dort drei junge Musiker auf, die sich "Die Ärzte" nennen. Sie geben ihr erstes Konzert und legen an diesem Abend den Grundstein ihrer 40-jährigen Karriere.

Inzwischen haben sie 14 Alben rausgebracht, rund 1000 Konzerte gegeben und es immer wieder geschafft, ein neues junges Publikum für sich zu begeistern. Aus der ersten Besetzung sind noch Bela B und Farin Urlaub dabei. Sahnie hat 1986 aufgehört, so wie Hagen Friedrich Liebing, der als "The Incredible Hagen" zwei Jahre bei den "Ärzten" war. Für ihn ist seit 1993 Rodrigo "Rod" González als Bassist Bandmitglied der "Ärzte".

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Stefan Üblacker hat eine autorisierte Biografie über die Ärzte geschrieben und beschreibt die Anfänge der Band.
  • Tuya Roth, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bonner Haus der Geschichte, erläutert die Bedeutung von Hits und Hymnen für junge Menschen.
  • Der Sozialwissenschaftler Philipp Meinert beschäftigt sich mit den sozial- und kulturwissenschaftlichen Aspekten der Punkmusik in Deutschland.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld blickt zurück auf die Anfänge der Punkmusik in England und den USA.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthis Jungblut erinnert an das erste Ärzte-Konzert in Berlin-Kreuzberg im September 1982.