Es braucht nicht viel, damit sich Zuschauer mit einer Puppe identifizieren. Der Puppenspieler muss nur wissen, welche Handlungen seine Figur zum Leben erwecken.

Die Puppenspielerin Nathalie Wendt findet Puppen besonders reizvoll, die nicht sehr realistisch oder einfach noch nicht fertig gestaltet sind. Sie sagt: Es braucht nur ganz wenig, damit die Zuschauer sich mit einer Puppe identifizieren - das kann sogar nur ein Taschentuch sein, wofür der Begriff Puppe dann eigentlich sogar übertrieben wäre.

So lange menschliche Handlungen aufgeführt werden, erkennen die Zuschauer sich darin wieder. Eine solche ist zum Beispiel der "Double Take". Die Puppe betrachtet hier dieselbe Stelle zweimal - sie tut also so, als hätte sie beim ersten Hinschauen nicht alles gesehen und müsse sich jetzt noch mal versichern.

"Grusel kann entstehen, wenn wir wissen, dass etwas nicht lebendig ist und wir trotzdem beim kurzen Hinschauen das Gefühl haben, wir sähen ein Lebewesen."
Nathalie Wendt, Puppenspielerin

Ein andere menschliche Handlung ist zum Beispiel das Aufstehen von einem Stuhl. Eine Marionette könnte an den Seilen einfach nach oben gezogen werden, doch so steht ein Mensch nicht auf. Er muss sich zuerst nach vorne beugen, um den Schwerpunkt über den Knien zu haben. Erst dann kann er aufstehen. Die Puppenspielerin muss solche Handlungen imitieren können.

Nach den Vorstellungen von Nathalie wollen die Zuschauer ihre Puppe näher betrachten und anfassen. Doch nicht alle trauen sich, sie gruseln sich. Nathalie sagt: Der Grusel entsteht, wenn Menschen etwas für unmenschlich oder tot halten und darin trotzdem ein menschliches Gesicht erkennen.