In der zweiten Hälfte des WM-Finales in Russland ging es auf einmal um mehr als Fußball: Vier Flitzer stürmten auf das Spielfeld. Die Aktivisten-Gruppe Pussy Riot hat die Aktion für sich reklamiert und politische Forderungen veröffentlicht. 

Die WM in Russland ist vorbei – im Finale hat Frankreich gegen Kroatien 4:2 gewonnen. Neben Fußball ist in der zweiten Hälfte aber noch mehr passiert: Drei Frauen und ein Mann sind als Polizistinnen und Polizist verkleidet auf das Spielfeld gestürmt. Im Anschluss hat die Aktivisten-Gruppe Pussy Riot diese Aktion für sich reklamiert. 

Pussy Riot sagt, sie wollen so für die Freilassung politischer Gefangener demonstrieren. Außerdem wolle man auf die Rolle der Polizei in Russland aufmerksam machen, sagt unsere Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper. Die russische Polizei sei während der WM recht entspannt aufgetreten. Kritiker würden allerdings befürchten, dass sich dies nach der WM wieder ändern könnte. 

"Während der WM hat die Polizei in Russland sich sehr locker gezeigt. Kritiker befürchten aber, dass das nach der WM jetzt wieder vorbei ist."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Tatsächlich verlief die Fußball-Weltmeisterschaft aus sportlicher Sicht bis zum Endspiel ohne große Zwischenfälle. Bis zum Finale sei es vor allem um den Sport, also Fußball, gegangen, sagt Matthias Friebe aus der Dlf-Sportredaktion. Das hat sich mit der Flitzer-Aktion auf der Zielgeraden geändert. 

Matthias Friebe, Dlf-Sportredaktion, hat mit Till Haase eine Bilanz zur Fußball-WM gezogen.
"63-einhalb Spiele lang ging es um Platzverweise, um Tore, um Ecken, um Standard-Situationen und um alles, was wir auch diskutiert haben. Und dann kam Pussy Riot - und auf einmal war die Politik auf dem Rasen."

Aktion als Ordnungswidrigkeit eingestuft

Für die Flitzer von Pussy Riot wird die Aktion natürlich Konsequenzen haben – vermutlich erwartet die vier Flitzer eine Geldstrafe oder Sozialstunden – die Aktion wurde als Ordnungswidrigkeit eingestuft. Das sind vergleichsweise milde Strafen – und im Fall von Pussy Riot nicht selbstverständlich. Denn vor rund sechs Jahren waren Mitglieder der Gruppe wegen einer Aktion in einer Moskauer Kathedrale verhaftet und später unter anderem zu Aufenthalten in sibirischen Straflagern verurteilt worden.

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Im Nachhinein sorgte außerdem ein Video des angeblichen Verhörs der Flitzer für Aufsehen, berichtet unsere Reporterin. In diesem Video höre man einen nicht zu sehenden Mann. Der sage, dass er sich wünsche, es sei noch das Jahr 1937. Eine Anspielung auf die Stalin-Diktatur, während der Säuberungsaktionen von Menschen stattfanden, die sich kritisch gegen die Sowjetunion äußerten. Die Echtheit des Videos konnte bisher nicht festgestellt werden. 

Sicherheitskontrollen haben versagt

"Da müssen sich Sicherheitsbeamte wahrscheinlich noch unangenehme Fragen stellen lassen, wie das passieren konnte, gerade zum Finale, wenn im Stadion Präsident Putin sitzt, Frankreichs und Kroatiens Staatschefs und Ehrengäste."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Spannend ist für Anne auch die Frage, wie die Flitzer aufs Feld gekommen sind. Statt Flitzern hätten es im Ernstfall auch Terroristen sein können. Anne glaubt, dass sich die verantwortlichen Sicherheitsbeamten noch unangenehme Fragen stellen lassen müssen – im Stadion saßen immerhin Ehrengäste wie der russische Präsident Wladimir Putin, die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic oder der französische Staatschef Emmanuel Macron.

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