Jedes Jahr Anfang April gedenken die Menschen in China ihrer Toten - und sie verbrennen rituell Gegenstände, die den Toten möglicherweise nützlich sind im Jenseits. Der uralte Brauch hat sich allerdings verändert: Heute werden Smartphones oder Schuhe von Prada verbrannt. Immerhin werden nicht die Gegenstände selbst angezündet, sondern ihre Nachbildungen aus Papier. Eine Ausstellung in Dresden widmet sich dem Phänomen.

"Das Qingming-Ritual ist in China sehr verbreitet. Obwohl dieser Volksglaube weder kirchlich noch institutionell begleitet wird", erklärt Hartwig Fischer von den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden. Dort wird gerade die Ausstellung "Supermarket of the Dead" gezeigt. Untertitel der Schau: "Brandopfer in China und der Kult des globalisierten Konsums." Für Fischer und den Philosophen Wolfgang Scheppe zeigt sich beim Qingming die Verbindung zwischen einem uralten Ritual und der modernen Konsumwelt.

"In der Vorstellung der Leute, die das praktizieren, leben die Ahnen in einer ähnlichen Welt wie wir heute. Man braucht dieselben Dinge: Geld, Gegenstände, Essen."

Zu dieser Vorstellungswelt gehört auch, dass die Toten Einfluss auf unsere Welt haben. Und wir auf die Welt der Toten. Das geht sogar so weit, dass die Toten bei Laune gehalten werden müssen, "denn wenn wir keine Sorge um sie tragen, dann können sie auch verstimmt sein und das würden wir dann merken", so Fischer. Durch das Verbrennen der Gegenstände, werden diese ins Jenseits geschickt und dort von den Toten verwendet.

Auch Tote freuen sich über ein neues Smartphone

Die Ausstellung in Dresden zeigt das ganze Spektrum der verbrannten Warenwelt, unter anderem dabei: "Gucci-Taschen, Prada-Schuhe, Louis Vuitton-Koffer, Chanel-Accessoires, Mobiltelephone, Apple-Computer, aber auch Heineken-Bierdosen". Sogar Papier-Autos in Originalgröße werden den Vorfahren geopfert.

"Man sieht, dass nach der wirtschaftlichen Liberalisierung der gesamte Bereich von Markenartikeln in das Qingming-Ritual eingewandert ist."