Im Moment verbringen wir viel Zeit zu Hause. Das kann auf die Stimmung drücken. Gerade dann, wenn wir uns die Wohnung mit anderen Menschen teilen und unsere Privatsphäre eingeschränkt ist. Wie wir das weitgehend ohne Konflikte schaffen, erklärt Psychologin Alexandra Hofmann.

Das neuartige Coronavirus hat uns in eine völlig neue Situation versetzt. Um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und andere zu schützen, sollen und müssen wir auf einmal soweit es geht zu Hause bleiben. Quarantäne, Ausgangsbeschränkungen – für viele eine schwierige Situation.

Das kann belastend sein, erklärt Psychologin Alexandra Hofmann. Denn Quarantäne zu Hause bedeute, alles, was wir sonst draußen machen, jetzt in unsere Wohnungen zu verlagern. Das Wohnzimmer wird per Streaming zum Fitnessstudio, das Treffen mit Freunden im Café findet über den Videochat am heimischen Küchentisch statt.

"Die größte Herausforderung ist, dass wir alles, was wir im öffentlichen Raum tun, jetzt auf unsere Wohnungen übertragen."
Alexandra Hofmann, Psychologin

Teilen wir die Wohnung dann noch mit anderen Menschen, wie Mitbewohnern oder Partnerinnen, kann es auch mal zu Konflikten kommen. Oft fühlen wir uns eingeengt und meinen, uns fehle die Fluchtmöglichkeit, so die Psychologin, wenn wir weniger als 40 Quadratmeter pro Mensch zur Verfügung haben.

In Wohnungen wird es uns schnell zu eng

In geteilten Wohnungen sei es daher ratsam, bestimmte Bereiche als privat auszumachen wie den Schreibtisch oder auch ganze Zimmer. Diese sollen eine Rückzugsmöglichkeit sein im Vergleich zu Orten, die von allen geteilt werden wie die Küche oder das Bad.

"In Deutschland wollen wir eigentlich 40 Quadratmeter pro Mensch haben. Wenn das weniger wird, haben Menschen eben das Gefühl, dass sie keine Fluchtoption haben, dass es zu eng ist."
Alexandra Hofmann, Psychologin

Entscheidend dafür ist Kommunikation mit anderen und sich selbst. Nachdem jede und jeder seine Bedürfnisse ausgemacht hat, gilt es, gemeinsam darüber nachzudenken, wie die einzelnen Wünsche umgesetzt werden können, erklärt Alexandra Hofmann. Ein Stundenplan könne zum Beispiel helfen. Dieser soll Uhrzeiten festhalten, wann wer in welchem Raum ungestört Zeit für sich hat. "Dann haben Menschen das Gefühl, dass sie sich auch mal von den anderen abgrenzen können", fügt sie hinzu.

Privatsphäre und Perspektivwechsel gegen Unmut

In jedem Fall helfe auch ein Perspektivwechsel. Gerade weil wir uns durch Quarantäneauflagen oder Ausgangsbeschränkungen von außen kontrolliert fühlen und das unsere Autonomie stark einschränkt, sei es wichtig, Freiräume zu finden, erklärt die Psychologin.

Beispielsweise können wir uns fragen, welche Hobbys machen uns Spaß und sind sowohl draußen als auch in der Wohnung möglich? Hierbei geht es darum, mehr wahrzunehmen als die Einschränkungen, indem wir über Wege nachdenken, wie wir das eigene Leben aktiv gestalten können, betont sie. Dafür helfe auch der Blick in die Zukunft nach der Corona-Krise: Zum Beispiel mit dem Planen einer Reise.