Auf Disney Plus läuft für die VIP-Mitglieder die Realverfilmung von Mulan. Dabei geht es auch um Cross-Dressing: Die weibliche Figur Mulan kleidet sich als Mann, um in der Armee zu kämpfen. Im Disney-Universum gibt es noch mehr queere Figuren und Momente. Aber es könnte mehr werden und mit mehr Offensichtlichkeit, findet Andrea Wöger von Moviepilot.

Kurz zur Story des Disney-Films Mulan: Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die an der Stelle ihres Vaters in der kaiserlichen Armee kämpft. Dafür muss sich sie sich als Mann ausgeben. Disney legt Mulan als Realverfilmung vor, das Original ist ein Zeichentrickfilm von 1998.

In der queeren Community werden immer wieder Disney-Figuren gefeiert. So auch Mulan, die für ihr Cross-Dressing von manchen als Ikone gesehen wird. In der Zeichentrick-Version gibt es allerdings zusätzlich auch die Figur des Hauptmanns Li Shang, die von der queeren Community zelebriert wird. "Er mutet bisexuell an. Denn als er sich in Mulan verliebt, denkt er, sie ist ein Mann", sagt Andrea Wöger. Dass dieser Charakter in der Realverfilmung ersetzt wurde, stieß auf Kritik.

Disney-Charaktere mit Bedeutung für die queere Community

Es gibt noch mehr Figuren aus dem Disney-Universum, die für die queere Community von Bedeutung sind. Elsa zum Beispiel aus dem Film "Eiskönigin" wird von vielen als queere Figur gefeiert. Sie sei aber eher aus Versehen zu einer Ikone geworden, so Andrea Wöger: "Es gab viel Subtext, der erst nachträglich hinein interpretiert wurde."

Auf Instagram finden sich unter #makeelsagay einige Ideen für Elsas Liebe:

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Es braucht viel Interpretation rund um queere Figuren

In "Die Schöne und das Biest" gibt es einen kurzen, fast schwulen Moment. In einer Szene tanzt Gaston, Gegenspieler zum "Biest", kurz mit Le Fou. "Hier wird versucht, einen 'schwulen Moment' zu provozieren, wo man aber, wenn man zwei Mal blinzelt, die beiden tanzenden Männer gar nicht sieht", sagt Andrea Wöger. In China sei der Film mit dieser kurzen Szene gelaufen, ohne Zensur. Das sei ein Zeichen dafür, dass es diesen "schwulen Moment" nicht wirklich gab.

"Wenn Filme in China unzensiert laufen, dann gab es keinen queeren Content."
Andrea Wöger, Moviepilot

Was nun Zufall ist oder tatsächlich gewollt von Disney, ist schwierig zu beurteilen. "Als queere Person kann man Disney nicht einfach verteufeln und sagen, die machen nichts. Das ist alles nur Zufall", sagt Andrea Wöger. In dem Freizeit-Ressort "Disney World" zum Beispiel gibt es die Gay Days. Das zeige, dass Disney als Marke durchaus versuche, die queere Community anzusprechen – auf der Leinwand allerdings nicht so deutlich.

"Disney versucht als Marke, die queere Community abzuholen, drängt sie aber im Kino komplett raus."
Andrea Wöger, Moviepilot

Deshalb müsse sich die queere Community ihre Helden selber suchen. "Ich bin selbst Teil der queeren Community und würde mir da viel mehr von Disney wünschen", sagt Andrea Wöger.

Dabei gehe es nicht allein um die typischen Disney-Familien-Filme. In dem Film "Star Wars 9" zum Beispiel habe es einen queeren Moment gegeben: "Zwei Frauen umarmen sich, aber das passiert irgendwo im Hintergrund". Es bleibt bei kurzen Szenen, die bei Protesten zur Not herausgeschnitten werden können. "Disney darf nicht so viel Angst haben vor dem Shitstorm, der aus der konservativen Ecke kommt", findet Andrea Wöger.

"Es wird genau so inszeniert, dass Disney es im Zweifelsfall easy herausschneiden kann. Damit der Film auch in konservativen und homophoben Ländern problemlos im Kino laufen kann."
Andrea Wöger, Moviepilot

Und dennoch – es gibt deutlichere Signale: Teil der Neuverfilmung von Mulan ist auch der Song "Reflection" von Christina Aguilera, erinnert die Filmexpertin. Darin wird der Moment beschrieben, in dem das Spiegelbild zu dem passt, was die Person vor dem Spiegel innerlich fühlt. "Das ist schon fast keine Überinterpretation, wenn man das auf queere Thematiken anwendet", glaubt Andrea Wöger.

Boykottaufrufe gegen Mulan

An der Neuverfilmung von Mulan gibt es übrigens auch Kritik – aus ganz anderen Gründen: Internationale Menschenrechtsaktivisten haben zum Boykott aufgerufen. Denn gedreht wurde in der chinesischen Provinz Xinjiang. Disney soll mit den Behörden vor Ort zusammengearbeitet haben. Der Kritikpunkt: In Xinjiang geht Chinas Regierung gegen die uigurische Minderheit vor. Mehr dazu findet ihr zum Beispiel auf Deutschlandfunk Kultur: "Aktivisten rufen zu Boykott von Disneyproduktion auf".