Mit erst 17 Jahren und als erster aktiver europäischer Fußballprofi hat sich der Brite Jake Daniels als schwul geoutet. Wie wichtig dieses Outing für den Profifußball ist und wo der Fußball in Sachen Akzeptanz steht, darüber haben wir mit Benjamin Näßler gesprochen, der sich sich gegen Homophobie und Queer-Feindlichkeit im Fußball engagiert.

Er wolle, dass die Leute sein wahres Ich kennen, wolle nicht mehr lügen und er fühle sich jetzt bereit, er selbst zu sein – so erklärte der junge Fußballprofi Jake Daniels dem Sender Sky Sport sein Coming-out, das auch deshalb so besonders ist, weil er der erste aktive Fußballprofi in Europa ist, der offen dazu steht, schwul zu sein.

Jake Daniels Outing im Profifußball kann anderen helfen

"Da muss man absolut den Hut vor ihm ziehen", sagt Benjamin Näßler über Jake Daniels. Benjamin ist ehemaliger Mister Gay Germany, er engagiert sich gegen Homophobie und Queerfeindlichkeit im Fußball und hat die Petition "Liebe kennt keine Pause" gestartet, eine Petition gegen Homophobie bei der WM in Katar.

"Da muss man absolut den Hut vor ihm ziehen. Jake Daniels hat hier eine absolute Vorbildfunktion."
Benjamin Näßler, Aktivist gegen Homophobie und Queerfeindlichkeit im Fußball

Bemerkenswert sei vor allem, dass sich Jake zu dem Schritt mit jungen 17 Jahren und noch ganz zu Beginn seiner Profikarriere entschieden habe, sagt Benjamin. Gerade erst hat der Fußballer seinen ersten Profivertrag beim englischen Zweitligisten FC Blackpool unterschrieben.

Sich in dem heterosexuellen dominierten Bereich des Fußballs als aktiver Sportler zu outen, das habe natürlich eine absolute Vorbildfunktion. Wenn man in ein bis zwei Jahren dann merke, dass alles positiv verlaufe, dann helfe das auch anderen Menschen, hofft Benjamin.

Enormer Druck der Öffentlichkeit

Nach wie vor sei es für aktive Sportler unglaublich schwierig, einen Schritt wie Jake Daniels zu gehen. Das liege an dem enormen Druck der Öffentlichkeit. 50.000 Leute im Stadion, die gegen einen sind und Sprüche auf dem Spielfeld – damit umzugehen, das könne nicht jeder, sagt der Aktivist. Bei Jake Daniels sei der innere Druck aber größer gewesen als der äußere Druck.

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Benjamin hofft in Zukunft auf mehr Unterstützung von Vereinen, Mitspielern und Verbänden, bei Diskriminierung klare Kante zu zeigen, und dass Schiedsrichter bei diskriminierenden Vorfällen auch das Spiel unterbrechen.

Es gebe aber positive Beispiele aus dem Ausland: In der kanadischen Liga ging eine Mannschaft nach der Diskriminierung eines Spielers geschlossen vom Feld. Das sei überragend gewesen und das müsse auch in Zukunft so sein, sagt Benjamin, damit klar sei, dass Homophobie und Rassismus auch auf den Fußballplätzen nichts zu suchen haben.

"Es ist elementar wichtig, dass die ganzen Mitspieler, der ganze Betreuerstamm hinter dem Spieler steht."
Benjamin Näßler, Aktivist gegen Homophobie und Queerfeindlichkeit im Fußball

Wann sich in Deutschland der erste aktive Profi outen wird, kann Benjamin kaum einschätzen. Nach dem Outing von Thomas Hitzlsperger nach seiner Karriere im Jahr 2014 habe man viel über Veränderungen gesprochen. Bis heute, acht Jahre später, habe sich aber nicht viel getan. Dennoch wünscht sich Benjamin, dass Jake Daniels andere Sportlerinnen und Sportler zum Nachdenken bewegt. "Wenn Jack Daniels es mit 17 Jahren geschafft hat, dann schaffe ich es auch", könnte die Message sein.

HINWEIS: Du möchtest dich outen, traust dich aber nicht? Unterstützung findest du zum Beispiel bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.