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Ein Schüler aus Niederbayern ergreift bei einer Querdenker-Demo in seiner Stadt das Wort. Erst denkt das Publikum, er gehört dazu, doch dann gibt es Pfiffe und Buhrufe. Adi Stögbauer nahm das in Kauf, denn die Demo in seiner Stadt wollte er keinesfalls umkommentiert lassen, sagt er.

18-jährige Adi Stögbauer lebt in Eggenfelden liegt in Niederbayern. Als hier Anfang Dezember eine Querdenker-Demo stattfindet, fasst Adi einen klaren Entschluss: Er will das Geschehen nicht unkommentiert lassen. Er tritt also auf die Bühne und ergreift vor rund 100 Demo-Teilnehmern das Wort. Anfangs denken die noch, Adi gehöre zu ihnen. Doch im Laufe seiner Rede outet er sich als Kritiker der Bewegung und erntet dafür Pfiffe und Buhrufe.

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Adi sagt, es sei sein Gewissen gewesen, dass ihn dazu bewogen hat, auf die Bühne zu gehen und zu den Leuten zu sprechen, komme was wolle.

"Es hat aus meinem Gewissen gesprochen, dass ich diesen Auftritt in meiner Stadt nicht unkommentiert stehen lassen will."
Adi Stögbauer, Schüler

Für ihn sei es nicht hinnehmbar, wenn sich Menschen in einer Bewegung zusammenschließen, die zu einem großen Teil auch aus Verschwörungsmystikern und Rechtsextremen bestünde. Bei einem solchen Schulterschluss besteht die Gefahr, dass sich zum Beispiel Toleranzgrenzen verschieben, befürchtet er – etwa gegenüber Aussagen, die man vorher nie hingenommen hätte. Auch könne er es nicht ertragen, wenn vielleicht vernünftige Menschen, die nur etwas kritisch eingestellt seien, durch die Bewegung in solche eine Ecke gezogen würden.

"Wenn man einen Schulterschluss mit solchen Menschen macht, dann verschiebt sich unsere Toleranz und steigt vielleicht gegenüber manchen Aussagen, die wir sonst so nie toleriert hätten."
Adi Stögbauer, Schüler

Natürlich habe er damit gerechnet, dass sein Auftritt bei den Demonstrierenden auf Unmut und Gegenwind stoßen würde. Doch egal wie laut und schlimm die Beschimpfungen auch sein würden, "mir war von vornherein klar, dass ich das ganze Ding durchziehen werde", sagt Adi.

Diskussion – "Was sollen wir denn sonst tun?"

Nach seiner Rede ist Adi noch mit einzelnen Teilnehmenden ins Gespräch gekommen, erzählt er. Es sei ein interessanter Austausch gewesen und im freundlichen Ton, freut er sich. Auch wenn die Meinungen in den Gesprächen ziemlich verhärtet gewesen seien, er wertet es immerhin positiv als einen Schritt der Annäherung.

"Es war ein interessanter Austausch, auch sehr freundlich, was mich sehr gefreut hat. Es gab überhaupt keine Anfeindungen von diesen Damen, und das ist doch eigentlich schon ein Schritt der Annäherung."
Adi Stögbauer, Schüler

Adi ist ein Verfechter der Diskussion. Gerade Menschen, die in ihrer Meinung noch nicht zu festgefahren seien, könnten argumentativ noch erreicht werden, sagt er überzeugt und optimistisch. Es gebe auch keine Alternative zur Diskussion. Manche Dinge könnten einfach nicht so stehen gelassen werden, dann müsse dagegengehalten werden. "Wer es nicht versucht, hat gleich verloren", sagt Adi.