Wörter, die wir auf der Tastatur mit der rechten Hand schreiben, mögen wir lieber als die Wörter, die auf der linken Hälfte der Tastatur entstehen. Hä? Wie die Tasten angeordnet sind, hat einen erstaunlichen Einfluss auf uns. Das ist der Qwerty-Effekt.

In Deutschland müsste der Effekt eigentlich Qwertz-Effekt heißen, nach den ersten sechs Buchstaben auf unserer Tastatur. Q W E R T Z. Das Schreiben auf Tastaturen ist für uns inzwischen so normal geworden, dass die Anordnung der Buchstaben uns im Kopf herumspukt. Und sie wirkt sich darauf aus, wie sehr wir bestimmte Wörter mögen. Wörter, die über die rechte Hälfte der Tastatur getippt werden, haben wir lieber als die von der anderen Seite.

Studien bestätigen den Qwerty-Effekt

"Das Phänomen wird jetzt schon länger untersucht", erklärt DRadio-Wissen-Reporterin Tina Kießling, zuletzt in einer großen Studie der ETH Zürich und des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften. Die bestätigen das Qwerty-Phänomen: "Die Buchstaben von der rechten Seite sind ein bisschen beliebter, als die von der linken." Dafür werteten die Forscher auf Internetseiten wie Youtube, Amazon oder Rotten Tomatoes aus, welche Produkte oder Filme besser bewerten wurden.

"Bücher, die auf Amazon positiv bewertet werden, werden eher mit Wörtern beschrieben, die von der rechten Seite kommen. Negative Bewertungen haben mehr Wörter mit Buchstaben von der linken Seite."
DRadio-Wissen-Reporterin Tina Kießling

Eine Erklärung für den Qwerty-Effekt gibt es bisher nicht, lediglich Spekulationen. "Zum Beispiel, dass das kulturelle Wurzeln haben könnte, weil die rechte Hand immer als die gute, saubere gilt", sagt Tina Kießling. Viele Wissenschaftler meinen, dass die meisten Menschen halt Rechtshänder sind und es ihnen schlicht leichter fällt, mit rechts zu tippen.

Maximilian und Sophie von der rechten Seite

Angeblich suchen wir uns für Kinder sogar lieber Namen mit Buchstaben von der rechten Seite der Tastatur aus. Das sagt zumindest eine US-Studie aus dem Jahr 2014 aus. In Deutschland könnte das auch hinkommen: Der beliebte Name Maximilian besteht eindeutig aus vielen Buchstaben von der rechten Seite. Und bei Sophie kommt es darauf an, wie man sie schreibt: Mit ph liegt auch dieser Vorname eher auf der rechten Seite.