Beim Online-Einkauf oder bei Paypal-Überweisungen auf Argentinische Peso umstellen und dadurch Geld einnehmen. Ist zwar nicht illegal, aber unethisch, weil es den angeschlagenen argentinischen Staat finanziell belastet.

Rabatte von rund 40 Prozent bei Online-Einkäufen und Einnahmen durch Paypal-Überweisungen, indem die Währung auf Argentinische Peso umgestellt wurde: Manche haben diese Möglichkeit genutzt, um schnelles Geld zu machen. Das ist zwar nicht illegal, aber unethisch, wenn man bedenkt, dass es den finanziell angeschlagenen argentinischen Staat belastet. Paypal hat diese Option inzwischen unterbunden. Bei Online-Einkäufen mit Visa funktioniert dieses Schlupfloch aber zum Teil noch.

Grund für die Möglichkeit, durch den sogenannten "Peso-Trick" Rabatte zu erhalten oder bei Online-Überweisungen durch Währungsumrechnung Gewinne zu machen, ist der sogenannte Touristen-Peso.

Argentinien kämpft zurzeit mit einer extrem hohen Inflation von gut 100 Prozent. Für das Kreditkartenunternehmen Visa ist das ein Problem. Denn wenn ein Konto für einen Einkauf mit einer Kreditkarte erst Tage später belastet wird, dann hat das Kreditkartenunternehmen damit bereits einen Verlust gemacht. Das liegt an der Inflation und dem Wechselkurs, der dieser unterworfen ist.

Touristen-Dollar soll Reise nach Argentinien attraktiv machen

Um diesen gravierenden Nachteil auszugleichen, hat die argentinische Regierung im Dezember 2022 den so genannten Touristen-Dollar eingeführt. Denn das Land ist auf das Geld ausländischer Touristen angewiesen, um sein desolates Finanzsystem zu stabilisieren.

Um also attraktiver für ausländische Konsument*innen zu sein, gewährt das Land einen speziellen Rabatt von 40 Prozent auf den offiziellen Umrechnungskurs, wenn diese über ein Kreditkartenunternehmen wie beispielsweise Visa einkaufen. Und genau diese Vergünstigung wird jetzt von Menschen genutzt, die gar nicht nach Argentinien eingereist sind und dort als Touristen ihr Geld ausgeben.

"Die Lage ist so dramatisch, dass Kreditkartenunternehmen wie Visa an ihre Grenzen gekommen sind. Denn wenn ich heute etwas in Argentinien zum Wechselkurs X bezahle und Visa bucht das erst ein paar Tage später ab, dann hat das Kreditkartenunternehmen damit schon einen Verlust gemacht."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Websites wie zum Beispiel "Mydealz" hatten kürzlich diese Möglichkeit der Ersparnis und sogar des Gewinns hingewiesen. Nutzerinnen und Nutzer von Zahlungsanbietern wie Paypal konnten mit wenigen Klicks die Währung von Euro auf Argentinische Peso umzustellen.

Beim Bezahlen eines gewünschten Produkts oder bei Geldüberweisungen in Pesos an Freunde wurden dadurch dann gut 40 Prozent weniger in Rechnung gestellt. Dadurch konnten Anwender und Anwenderinnen dieses Tricks von einer Differenz bei der Währungsumrechnung profitieren. Inzwischen hat Paypal diese Option unterbunden.

Anders ist das bei einigen Onlineshops, bei denen wohl immer noch die Möglichkeit besteht, auf diese Weise Rabatte zu erhalten.

Kein Betrug, aber trotzdem zweifelhaft

Strafrechtlich könne man für dieses Vorgehen nicht belangt werden, sagt der Kölner Medienanwalt Christian Solmecke. Zivilrechtlich gesehen, schätzt der Anwalt diese Art der "Geldsendung an Freunde", um daraus Profit zu schlagen, allerdings als etwas heikler ein.

Beispielsweise könnte Paypal das Konto von Personen, die diesen Trick anwenden, sperren. Denn Paypal ist in der Vergangenheit in ähnlichen Fällen "nicht sehr zimperlich in solchen Dingen gewesen", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll.

"Das hat einen eher traurigen Hintergrund und hängt mit der desolaten Lage Argentiniens zusammen. Das Land hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder schwere Finanzkrisen durchlitten. 2001 ist das gesamte Finanzsystem zusammengebrochen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Abgesehen von der rechtlichen Seite ist die Frage auch, ob man mit solch einer Tat dem argentinischen Staat und damit der bereits armen Bevölkerung des Landes schaden möchte. Denn den Schaden wird letztendlich wohl die argentinische Staatsbank, also die Bevölkerung tragen müssen. Im Gegenzug erhält das Land keinen Gegenwert, wenn derjenigen, der diesen Vorteil nutzt, nicht nach Argentinien einreist und durch Ausgaben im Land die dortige Wirtschaft unterstützt.

"Praktisch besteht natürlich die Gefahr, dass Paypal das Konto dicht macht nach so einer Aktion. Wer diesen Trick schon genutzt hat, der hat sich nicht strafbar gemacht, könnte aber trotzdem mit Paypal noch Probleme bekommen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter
  • Moderation:  Till Haase
  • Gesprächspartner:  Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter