Auf der Berlinale gab es gleich zwei Bären: den silbernen Bären fürs beste Drehbuch von Laila Stieler und den silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung von Hauptdarstellerin Meltem Kaptan. Endlich kommt der neue Film von Andreas Dresen "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" ins Kino. Wir haben mit Dresen und Kaptan gesprochen.

Wie Meltem Kaptan als Rabiye Kurnaz in das Büro des Menschenrechtsanwalts Bernhard Docke stolpert, darauf besteht ihn zu kennen – weil sie im Telefonbuch seine Nummer gefunden hat – und dann mit einem Brief aus Guantanamo vor seiner Nase rumwedelt, ohne zu wissen, was Guantanamo überhaupt ist: Das allein ist richtig großes Kino.

Regisseur Andreas Dresen erzählt gemeinsam mit Drehbuchautorin Laila Stieler in ihrer siebten gemeinsamen Zusammenarbeit von einem Kampf David gegen Goliath. Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush. Eine einfache Hausfrau und Mutter aus Bremen gegen den mächtigsten Mann der Welt.

Murat Kurnaz saß über fünf Jahre unschuldig in Guantanamo, seine Mutter und Menschenrechtsanwalt Docke ziehen bis vor den amerikanischen Supreme Court. Mit Erfolg. Das Dresen die Geschichte aus der Perspektive der Mutter erzählt und nicht die von Murat war für den deutschen Erfolgsregisseur eine ganz bewusste Entscheidung.

"Er hat mir seine ganze Guantánamo-Geschichte erzählt, und das war erschütternd. Ich habe dann leider schnell gemerkt, dass es mir unmöglich ist, daraus einen Film zu machen, weil ich einfach nicht wusste, wie ich mit diesen drastischen Erlebnissen umgehen soll. Wie erzählt man einem Kinopublikum von diesen endlosen Folter-Qualen, ohne dass alle raus rennen?"
Andreas Dresen, Regisseur

Regisseur Andreas Dresen hat dann Kurnaz’ Mutter kennengelernt und sich sofort in diese Frau verliebt. Durch die Perspektive Rabiyes bekommt die Geschichte eine spürbare Emotionalität. Sie hat stets das Ziel vor Augen: die Freilassung ihres Sohnes.

"Wir sitzen abends vor dem Fernseher, wir sehen die Nachrichten, wir sehen den Zustand unserer Welt – und dann sagt man sich schnell: ‚Ach, ich kann ja eh nüscht machen, das ist ja alles so furchtbar‘. Hier erzählen wir von einer Frau, die dagegen angeht und sagt: ‚Die Welt ist veränderbar, wir können etwas tun. Wir können, auch wenn wir uns ohnmächtig fühlen, die Sterne zum Tanzen bringen‘."
Andreas Dresen, Regisseur

Die Seele des Films ist dabei immer Rabiye, die mal im Bremer Dialekt, mal auf türkisch mit Lebensweisheiten um sich wirft und eine unglaubliche Energie ausstrahlt. Die Kölner Comedian Meltem Kaptan, die hier ihr Schauspieldebüt gibt, ist auf der Berlinale dafür mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet worden. Absolut zu Recht finden wir. Deswegen mussten wir in Eine Stunde Film auch mit ihr sprechen.

Gesprochen haben wir auch mit Freddy Lau über seinen neuesten Film "Wolke unterm Dach", Eifersuchtsattacken seiner Tochter, Drehen unter Corona und was Lau mit Netflix Großes vorhat. Kleiner Spoiler: Er durfte es noch gar nicht verraten.