Mit dem Rad zur Arbeit, ins Schwimmbad oder in den Park, das klingt immer sehr nett. Doch so richtig entspannend ist es oft nicht – vor allem nicht in den Städten. Autos, LKWs, Radfahrer und Fußgänger: Sie alle brauchen Platz. Doch von dem gibt es bekanntlich zu wenig. Und das führt dann oft zu Unfällen. 

Fahrradmotiv Radfunk

Statistisch gesehen ist Fahrradfahren zwar nicht gefährlicher als Autofahren. Wenn allerdings etwas passiert, dann trifft es Radfahrer in der Regel härter. Das lässt sich ja auch leicht begründen, sagt unser Radfunk-Reporter Klaas Reese aus der Deutschlandfunk-Nova-Sportredaktion.

Radfahrer trifft es hart

Denn selbst, wenn ihr mit Helm fahrt: Dann könnt ihr das Risiko von Kopfverletzungen zwar minimieren – doch schon bei niedrigem Tempo ist ein Unfall oft mit schwerwiegenden Verletzungen verbunden, so Wilfried Echterhoff vom "Institut für Psychologische Unfallnachsorge und Gesundheitsförderung" in Köln.

"Bei einer Aufprallgeschwindigkeit von 15 km/h sind dreißig Prozent der Radfahrer schwer bis tödlich verletzt. Schon bei 15 km/h! Und wer fährt schon 15 km/h in der Innenstadt oder sonstwo? Das sind höhere Geschwindigkeiten."
Wilfried Echterhoff, Verhaltensforscher

Radfahrer leiden bei einem Unfall doppelt – sie müssen nämlich gleich zwei Aufschläge aushalten:

  • frontal auf die Front des Autos
  • nach dem Wurf mit dem Kopf meist auf die Straße

Einfache Rechnung

Wenn ihr mit eurem Auto 50 km/h schnell fahrt, und es passiert ein Unfall, dann ist die Schwere der Verletzung beim Unfallopfer etwa sechs Mal so hoch wie bei Tempo 30. 

"Als Autofahrer kann ich schon mit kleinen Tempounterschieden das Risiko für andere minimieren."
Klaas Reese, Deutschlandfunk-Nova-Sportredaktion

Pkw-Fahrer sind bis 50 km/h durch Gurt und Airbag gut geschützt, sagt Echterhoff. Wenn mit dieser Geschwindigkeit allerdings ein Radfahrer getroffen werde, kämen dabei sehr viele von ihnen ums Leben.

Runter vom Gaspedal

Langsamer fahren ist also angesagt - und das gilt für PKW wie Radfahrer. Selbst wenn ich mit dem Rad ein bisschen schneller bin als das Auto neben mir, dann steht der, den ich eben noch überholt habe, an der nächsten Ampel wieder direkt hinter mir, so Radreporter Klaas Reese. Wettrennen machen also keinen Sinn.

Obwohl wir diese Dinge eigentlich wissen sollten, begegnen sich Rad- und Autofahrer immer wieder als Gegner im Straßenverkehr:

  • Es gibt keine klare Trennung der Verkehrswege
  • Radfahrer und Autos beanspruchen oft denselben Raum (Autofahrer parken in zweiter Reihe auf Radwegen, Radfahrer weichen auf die Straße aus)
  • Schuld sind immer die anderen ("Der blinkt nicht!", "Der hält den Arm beim Abbiegen nicht raus!")
  • Es wird zu selten geguckt: Mache ich eigentlich was falsch?
"Es fehlt ein Perspektivwechsel und Empathie für die andere Seite: Eigentlich wollen im Endeffekt ja alle nur sicher an ihr Ziel kommen."
Klaas Reese, Deutschlandfunk-Nova-Sportredaktion

Um das Thema "Radfahrer versus Autofahrer" geht es auch im neuen Radfunk-Podcast: Dort hört ihr die Diskussion zwischen einem Verkehrsforscher, einem Polizisten der Fahrradstaffel Köln und einer Bloggerin aus Berlin, die das Buch "How to survive Radfahren" geschrieben hat. 

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