Serial geht in die zweite Staffel. Die Podcast-Serie gilt als Radio-Äquivalent zur hochgelobten TV-Serie True Detective. Zu Recht, sagt unsere Autorin Angelika Fey.

Das Besondere an der Podcast-Serie Serial aus den USA: Es geht in jeder Staffel um einen realen Kriminalfall. "Das Ganze wird aber so spannend erzählt, wie in einer erfolgreichen TV-Serie", sagt DRadio-Wissen-Autorin Angelika Fey. "Es gibt sogar einen Soundtrack, der extra dafür komponiert wird."

Angelika Fey gibt zu: Auch sie ist Fan. Von Serial und vor allem von ihrer Macherin Sarah Koenig. In der ersten Serial-Staffel, die vor einem Jahr lief, ging es um einen Mordfall: Ein Mann sitzt schon seit Jahren im Gefängnis, weil er seine Ex-Freundin umgebracht haben soll. Sarah Koenig hat diesen Fall dann in zwölf Folgen noch einmal aufgerollt und dabei wichtige neue Details aufgespürt, weshalb es bald noch einmal eine neue Anhörung vor Gericht gibt.

Hinter die Schlagzeilen gucken

In der neuen, zweiten Staffel geht es jetzt um Bowe Bergdahl: einen US-amerikanischen Soldaten, der fünf Jahre lang von den Taliban in Afghanistan gefangen gehalten wurde, bevor er im Mai 2015 freikam - im Austausch gegen fünf Taliban-Mitglieder. Das Pikante an der Geschichte: Bowe Bergdahl ist nicht im Kampf gefangen genommen worden. Er hatte seinen Außenposten freiwillig verlassen und ist in die Wüste gelaufen. Dort mussten ihn die Taliban nur noch "einsammeln".

Sarah Koenig will nun herausfinden: Was ist da genau passiert? Warum hat Bowe Bergdahl das gemacht? Ist er ein
Deserteur? Auch Bowe Bergdahl selbst kommt im Podcast zu Wort. Anders als im Fall, der in der ersten Staffel behandelt wurde, wurde über den Fall Bergdahl bereits weltweit ausführlich berichtet. "Es geht jetzt also eher darum, hinter diese Schlagzeilen zu gucken", sagt Angelika, "nach psychologischen Motiven zu schauen, aber auch den großen Kontext - den Afghanistan-Krieg - zu beleuchten."

"Autorin Sarah Koenig macht auch unkonventionelle Sachen, ruft zum Beispiel bei den Taliban an."
DRadio-Wissen-Reporterin Angelika Fey über Serial

Angelika Fey führt den großen Erfolg von Serial vor allem auf die Machart zurück: "Sarah Koenig präsentiert nicht einfach Ergebnisse, sie nimmt die Hörer mit auf die Suche, ist super nah dran und beschreibt alles mit sehr vielen Details." In der ersten Folge der neuen Staffel wird zum Beispiel erzählt, wie schlimm die Zustände auf diesem Außenposten in Afghanistan waren: "Die Soldaten hatten da so ein Feuer, das war immer an, und da haben sie ihren Kot verbrannt. Einer musste dann immer brav mit einem Stock im Feuer rühren, damit es nicht ausgeht."

Als die Staffel an den Start ging, war die Homepage erst einmal überlastet, berichtet Angelika Fey - weil so viele Leute die erste Podcast-Folge hören wollten. Wegen des großen Erfolgs gibt es inzwischen auch erste deutsche Versuche, das Format zu imitieren. "Wer hat Burak erschossen?" heißt zum Beispiel eine Podcast-Serie des RBB, in der ein Reporter den Mord an einem jungen Mann in Neukölln noch einmal aufrollt. "Am Anfang ist dieser Podcast ein bisschen trocken", sagt Angelika, "aber ab der zweiten Folge wird’s richtig spannend!"