Es ist die Etappe von Andorra nach Arcalis, bei der Jan Ullrich am 15. Juli 1997 den Beweis antritt, der beste Radrennfahrer seiner Zeit zu sein. Erst lange nach seinem Karriereende gibt Jan Ullrich Dopingverstöße zu.

Steile Anstiege absolviert er, ohne aus dem Sattel zu gehen. Sein Gesicht ist kaum gezeichnet, er tritt gleichmäßig einen hohen Gang und scheint die Berge dieser schweren Etappe hinauf zu fliegen.

Nach 254 Kilometern und sechs schweren Berganstiegen hat der Rostocker seine Konkurrenten Richard Virenque, Bjarne Riis und Marco Pantani hinter sich gelassen. Er gewinnt die Etappe und das Gelbe Trikot des Gesamtführenden, das er bis zur letzten Etappe auf dem Champs Élysées in Paris nicht mehr abgibt.

Doping: Scheint über Jahrzehnte üblich zu sein

Jan Ullrich ist der dritte Deutsche, der bei der Tour de France für Furore sorgt. In den 1960er-Jahren hat Rudi Altig 18-mal das Gelbe Trikot getragen, aber schon bei ihm macht das Wort von der "radelnden Apotheke" die Runde. Rudi Altig selbst spricht von "erlaubten Mitteln", was darauf hinweist, dass schon damals gedopt wird, aber die Kontrolleure den Dopern nicht auf die Schliche kommen.

1977 wirbelt der 22-jährige Dietrich Thurau aus Frankfurt die Tour de France auf, gewinnt den Prolog und vier weitere Etappen. 15 Tage trägt er das Gelbe Trikot, das er erst nach einem Bergzeitfahren an den späteren Gesamtsieger Bernard Thévenet verliert.

"Die Sportler sind in diesem System Spitzensport, wo Doping gang und gäbe ist, im Grunde genommen das schwächste Glied, werden aber als Erste an den Pranger gestellt."
Sebastian Moll, Journalist

Als Jan Ullrich 22 Tage später im Gelben Trikot die letzte Etappe bestreitet, ahnt niemand, dass er wie viele andere Fahrer auch gedopt hat. Während die Kollegen des Teams Telekom später zugeben, verbotene Substanzen genommen zu haben, schweigt und leugnet Ulrich zunächst.

Jan Ullrich gerät in eine schwere Lebenskrise

Erst 2015 gibt er in einem Zeitungsinterview Dopingverstöße zu. Dopingverstöße und Ruhm hat Jan Ullrich nicht verkraftet. Er gerät in schwere Lebenskrisen, wird mehrfach aufgegriffen und in Kliniken eingewiesen, wo er mit wechselnden Erfolgen von Drogen und Alkohol loskommen will.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Journalist Sebastian Moll hat eine aktuelle Biographie über Jan Ullrich geschrieben und erzählt über das Leben des nicht immer strahlenden Siegers.
  • Der ARD-Sportjournalist Hagen Boßdorf war 1997 als Kommentator bei der Tour de France und hat den Erfolg von Jan Ullrich hautnah miterlebt.
  • Der Autor Hubert Dahlkamp hat sich mit der Geschichte der Tour de France seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts beschäftigt und berichtet über Tricks und Schiebereien, die bei allen Frankreichrundfahrten vorgekommen sind.
  • Die Deutschlandfunk-Sportjournalistin Marina Schweizer schildert das Katz- und Maus-Spiel zwischen Dopenden und Dopingfahndern
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld geht zurück zu den Anfängen der Tour de France 1903.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Matthis Jungblut erinnert an den Triumph von Jan Ullrich bei der Tour de France 1997.