Bei der Polen-Rundfahrt wird der 23-jährige Fabio Jakobsen von einem seiner Mitstreiter abgedrängt – und stürzt. Er erleidet schwere Verletzungen und bricht sich alle Gesichtsknochen. Die Radsport-Welt ist erschüttert. Dabei sind viele Risiken des Sports schon lange bekannt.

Der Unfall passierte während des Zielsprintes der ersten Etappe: Das Feld aus Rad-Profis raste auf das Ziel zu, dabei berührte einer der Radfahrer seinen Nebenmann – und dieser fiel bei 80 km/h in die Absperrgitter. Er riss dabei auch einen Fotografen mit, beide verletzten sich schwer.

Fabio Jakobsen nicht mehr in Lebensgefahr

Mittlerweile befinden sich beide wieder in einem stabilen Zustand. Fabio Jakobsen wurde nach dem Unfall in ein künstliches Koma versetzt, nach der Operation bestätigte die Rennärztin, dass er nicht mehr in Lebensgefahr sei.

Die Zieleinfahrt dieser Strecke gilt schon seit vielen Jahren als gefährlich, sagt Raphael Späth aus der Dlf-Sportredaktion. Der Grund: In den letzten Metern geht es mit einem Gefälle von vier bis fünf Prozent bergab. Das klingt nicht viel, doch die Radfahrer erreichen dort Geschwindigkeiten bis über 80 km/h. Viele Radfahrer selbst schätzen den Teil der Etappe als zu gefährlich ein, so auch Radsport-Profi Simon Geschke.

"Ich bin vor zehn Jahren das erste Mal diese Etappe gefahren und ich denke mir jedes Jahr: Wenn es hier mal einen Sturz gibt, dann geht der nicht glimpflich aus. Sondern dann landet jemand im Krankenhaus. Jetzt ist es so weit gewesen."
Simon Geschke, Radsport-Profi

Ermittlungen gegen Groenewegen

Der Niederländer Dylan Groenewegen hatte diesen Zielsprint angeführt. Fabio Jakobsen hatte sich in den letzten Metern aus dessen Windschatten herausgekämpft und hätte ihn wahrscheinlich überholt, sagt Raphael Späth. Groenewegen soll ihn weiter an die Bande gedrängt haben und Jakobsen das Gleichgewicht verloren haben.

Auch Groenewegen stürzte und verletzte sich das Schlüsselbein. Er schlitterte zwar noch als Erster ins Ziel, wurde aber nachträglich disqualifiziert. Der Rad-Weltverband hat bereits ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet. Der Teamchef von Fabio Jakobsen will auch Strafanzeige erstattet – er spricht von einem Mordanschlag auf seinen Fahrer.

Kritik gegen Veranstalter

Zu den heftigen Vorwürfen hat Groenewegen sich noch nicht geäußert. Auf Twitter wünschte er allen Betroffenen eine gute Besserung und schrieb, dass er ständig an Jakobsen denke. Kritik gibt es allerdings auch an den Veranstaltern: Nicht nur die Zieleinfahrt wird seit Jahren kritisiert, sondern auch die Absperrungen.

Denn: Die Metallgitter, die eigentlich als Absperrung dienen sollten, hatten nicht gehalten und flogen nach dem Sturz meterweit durch die Luft, sagt Raphael Späth. Der Organisator ist dafür verantwortlich, genau diese Gitter vor dem Start noch einmal zu prüfen.

"Diese Massensprints sind so schon gefährlich genug. Im Gegensatz zur Formel 1 fahren die Radfahrer auf einer normalen Straße ohne jegliche Absicherungen."
Raphael Späth, Dlf-Sportredaktion

Häufig gebe es die Kritik, bei solchen Strecken gehe das Spektakel über die Sicherheit, sagt Raphael Späth. Er findet: Massensprints sind an sich schon spektakulär genug – es braucht keine Strecke, die diese Sprints noch gefährlicher macht. Er hofft, dass der Vorfall den Weltverband auf den Plan ruft und die Sicherheitsvorkehrungen verbessert.