Manchmal ist es gefährlicher, den Radweg zu nutzen als mit dem Rad auf der Straße zu fahren. Heinrich Strößenreuther fordert mehr Sicherheit und Gleichberechtigung im Straßenverkehr für Radfahrer.

Heinrich Strößenreuther nutzt lieber die Straße zum Radfahren, wenn keine Nutzungspflicht für den Radweg besteht. Der 80 Zentimeter breite Streifen ist ihm dann doch zu gefährlich: Man fährt dicht an parkenden Autos vorbei, es besteht eine Mitschuld, wenn einen eine sich öffnende Autotüre erwischt, Mülltonnen blockieren immer mal die freie Bahn und Wurzeln von Bäumen werfen den Asphalt auf. Der Radweg - ein Hindernisparcour deluxe.

"Ich wahre einen Abstand von 1,50 Meter zu Autos - das heißt ich fahre in der Mitte der Fahrspur - das regt natürlich hier und da mal die Autofahrer auf, aber das ist nicht mein Problem, denn die haben ja sowieso schon viel zu viel Platz in der Stadt."

Heinrich Strößenreuther sagt, dass man den Radweg verlassen kann, wenn die Nutzung zu gefährlich erscheint. Allerdings kommt es da auch manchmal auf das Verhandlungsgeschick an, wenn man dann doch von der Polizei angehalten wird. Er rät, dem Beamten dann die Stelle zu zeigen, an der ein Hindernis steht oder der Weg kaputt ist.

Audiobeitrag von Stephan Beuting
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Der Fahrradaktivist Heinrich Strößenreuther wünscht sich mehr Gemeinsamkeit auf den Straßen. Er wünscht sich Verkehrsregeln, die auch auf die Bedürfnisse von Radfahrern ausgelegt sind. Das reicht von der Geschwindigkeitsbegrenzung, über den Platz, der zur Verfügung steht, bis hin zur Ampelschaltung. Wenn die Ampelphasen so gelegt sind, dass sie den Radfahrer, der langsamer als ein Auto fährt, immer nur behindern und ausbremsen, ist es auch wahrscheinlicher, dass die roten Ampeln öfter einmal ignoriert werden. Die Straßenverkehrsordnung, die ihre Anfänge im Jahr 1934 hat, findet Heinrich überholt.

"Was wir in der Stadt brauchen, ist ein gemeinsames Tempo von zwanzig oder dreißig Kilometern pro Stunde, dass man "miteinander fließt" - so ein Gefühl wie auf dem amerikanischen Highway. Wenn alles gemütlich fließt, gibt es weniger Aufregung, weniger Stress und weniger Adrenalin."

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