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Die Kämpfe zwischen Hamas und Israel gehen weiter. Im Konflikt spielen auch die Hisbollah im Libanon sowie Iran eine Rolle. In der Nacht trafen Raketen aus dem Libanon Israel. Dass der Krieg eskaliert, hält der Nahost-Experte Guido Steinberg dennoch für unwahrscheinlich. Trotz der Feindschaft gegen Israel, die Hamas, Hisbollah und Iran miteinander teilen.

Laut Israels Armee wurden in der Nacht (18. Mai) Raketen von Libanon auf Israel abgefeuert. Dahinter könnte eine palästinensische Gruppe stecken. Doch die Hisbollah muss dafür grünes Licht gegeben haben. Denn die Miliz kontrolliert das Gebiet, aus dem geschossen wurde.

Die schiitische Hisbollah - die "Partei Gottes" - ist eine Partei, aber auch Miliz im Libanon. Fast wie ein Staat im Staat kontrolliert sie den Süden des Landes.

Die Gewalt im Nahen Osten

Der Nahost-Experte Guido Steinberg wertet den Raketenangriff als eine Art Signal der Hisbollah an Israel. Man wolle klar machen, dass die Miliz immer noch eine Gefahr für Israel darstelle. Doch eine weitere Eskalation des Krieges befürchtet Guido Steinberg nicht.

"Einen großen Krieg mit Israel will die Hisbollah nicht."
Guido Steinberg, Nahost-Experte, Stiftung Wissenschaft und Politik

Denn die schiitische Hisbollah hätte keine Chance, solch einen Krieg zu gewinnen. Israel habe in den vergangenen Jahren deutlich gemacht, welche Folgen ein Angriff haben kann. Israel werde dann nicht nur die Raketenstellungen ausschalten. "Israel wird nicht begrenzt angreifen wie in Gaza. Sondern sie werden versuchen, die Hisbollah zu zerstören", sagt der Nahost-Experte. Auch Angriffe auf den ganzen Libanon sind dann denkbar. "Das Risiko ist der Hisbollah zu groß."

Die Hisbollah ist ein wichtiger Verbündetet Irans

Entscheidend dafür, ob der Krieg weiter eskaliert, ist, wie sich Iran verhält. Das Land unterstützt die Hisbollah militärisch und finanziell. Seit 1982 ist die Hisbollah ganz eng an Iran angebunden. Das Land könnte zurzeit andere Ziele verfolgen. "Die iranische Führung will im Moment vor allem ein Ende der Sanktionen", sagt Guido Steinberg.

Die Wirtschaft des Landes unterliegt aufgrund seines Atomprogramms internationalen Sanktionen. 2015 war das sogenannte internationale Atomprogramm zustande gekommen. Es sah ein Ende der Sanktionen vor, dafür sollte Iran sein Atomprogramm überwachen lassen. Doch die USA waren 2018 unter Donald Trump ausgestiegen. Zurzeit laufen wieder Gespräche auf internationaler Ebene. "Deswegen wird Iran alles tun, um die Hisbollah zurückzuhalten", sagt Guido Steinberg. Die internationalen Verhandlungen wären sonst in Gefahr.

"Auch Iran will keinen Krieg. Das ist ein weiteres Argument dafür, dass es an der Nordgrenze Israels nicht zur Eskalation kommt. Zumindest, wenn die Konfliktparteien keine Fehler machen."
Guido Steinberg, Nahost-Experte, Stiftung Wissenschaft und Politik

Auch die Hamas steht in Verbindung zu Iran, wenn auch loser als die Hisbollah. Und auch Hamas und Hisbollah kooperieren. Ihr Kitt ist die Feindschaft gegen Israel. "Beide wollen Israel zerstören", sagt Guido Steinberg, "und beide sind mehr oder weniger eng mit dem Iran verbündet."

Seit den frühen 1990er Jahren gibt es ein enge Zusammenarbeit zwischen Hisbollah und den iranischen Revolutionsgarden, einer Art zweiten Armee im Land. Sie bilden gemeinsam Kämpfer der Hamas aus. Das umfasst die Ausbildung von Scharfschützen bis hin zum Bau von Raketen. Das macht deutlich: Auch wenn der aktuelle Konflikt nicht weiter eskaliert, bleibt die Situation in der Region angespannt und gefährlich.