Der Weltraumbahnhof in Baikonur, von dem einst Juri Gagarin startete, ist bald Geschichte. Heute startete die erste Rakete vom neuen Standort Wostotschny. Und dieser verspricht eine neue Ära - in der sich die Russen nicht mehr mit den Kasachen absprechen müssen.

Gestern musste Wladimir Putin noch vergeblich warten, heute startete sie endlich: die erste Sojus-Rakete am neuen russischen Weltraumbahnhof Wostotschny. Nach sechs Jahren Bauzeit wurde das russische Prestigeprojekt nahe der chinesischen Grenze damit offiziell eröffnet.

Bis zum Mond und weiter

Von hieraus könnte die Reise bald auch zum Mond gehen. Aber nicht nur wegen solcher Zukunftspläne wird der neue Bahnhof den alten im kasachischen Baikonur ablösen. Von dort gab es beispielsweise immer wieder Berichte über herabfallende Raketentrümmer. Ein guter Grund für einen neuen Standort, erklärt Gerhard Kowalski, Autor zahlreicher Bücher zur russischen Raumfahrt. So ein Weltraumbahnhof sollte wirklich weiträumig menschenleer sein und in der Nähe von Gewässern liegen - für den Fall, dass eine Rakete mal abstürzt.

"Ein Weltraumbahnhof braucht eine große weite menschenleere Fläche. Wo man auch die ausgebrannten Raketenstufen zur Erde fallen lassen kann, ohne dass sie auf ein Dach fallen."
Gerhard Kowalski, Autor zahlreicher Bücher

Ganz so zackig wird der Abschied vom legendären Bahnhof Baikonur aber nicht vonstatten gehen. Und das hat nicht nur nostalgische Gründe: Von hier startete schon Juri Gagarin 1961 als erster Mensch ins All. Und auch Alexander Gerst machte sich im Mai 2014 von Baikonur aus auf den Weg zu ISS.

(Playbutton oben startet Live-Video zur ISS)

Und für genau diese Flüge zur Internationalen Raumstation beispielsweise wird Baikonur vorerst weiter genutzt. "Die Russen werden noch mindestens bis 2022 ihre bemannten Starts von Baikonur aus machen", sagt Gerhard Kowalski, "Denn in Wostotschny steht bis jetzt eine einzige Startrampe".

Der Hauptgrund, sich langfristig von Baikonur zu verabschieden, ist jedoch ein politischer. Zwar liegt das neue Kosmodrom mit 6000 Kilometer deutlich weiter entfernt von Moskau als der alte Standort. Politisch gesehen ist es jedoch deutlich näher an der russischen Hauptstadt. Nach dem Ende der Sowjetunion gehörte Baikonur zu Kasachstan - und war plötzlich Ausland. Das erforderte mehr politische Absprachen. Diese diplomatischen Umwege will man mit dem neuen russischen Kosmodrom in Zukunft umgehen.

Noch bis 2050 werden sich Russland und Kasachstan aber wohl noch arrangieren müssen: Bis dann läuft der Pachtvertrag. Und der kostet die Russen immerhin 117 Millionen Dollar jährlich.