Für muslimische Menschen beginnt der Fastenmonat Ramadan. Für diejenigen, die sich streng daran halten, bedeutet das tagsüber weder zu essen noch zu trinken und außerdem keinen Sex und keine schlechten Gedanken zu haben. Es bedeutet aber auch: Zusammensein. Denn das tägliche Fastenbrechen findet im großen Kreis mit Familie und Freunden statt. Doch die Pandemie macht das unmöglich.

Iftar – so heißt das Abendmahl, das muslimische Menschen während des Ramadan jeden Tag nach Sonnenuntergang zusammen mit der Familie und Freunden einnehmen. Das gemeinsame Fastenbrechen – nur in der Pandemie ist genau das nicht erlaubt.

"Unser Rat ist, den Ramadan in dem Rahmen zu feiern, wie die Gesundheitsämter ihn vorgeben. Wenn Menschen aus nur einem oder zwei Haushalten zusammen kommen dürfen, sollte das ernst genommen werden."
Seyfuddin Distarevic, Mitglied der Gemeinde Majid Assalam in Düsseldorf

Trotz Pandemie mit allen zusammen kommen – für Seyfuddin Distarevic ist das keine Option. Er ist Mitglied der Gemeinde Majid Assalam in Düsseldor und findet: Leben schützen gehört zu den Werten des Islam. Darum muss Ramadan dieses Jahr anders aussehen als gewöhnlich.

Mehr Zeit Zuhause, mehr Zeit mit der Familie

In der Moschee selbst gibt es deshalb ein Hygiene-Konzept: Mundschutz, Abstand und Anwesenheitsliste stehen auf dem Programm. In einigen Moscheen laufen auch Traditionen – wie etwa das lange Nachtgebet – wegen der Pandemie anders ab als sonst. Das wird in vielen Gemeinden verkürzt: Statt 20 Gebetseinheiten sind es dieses Jahr nur acht.

"Wir beten auch über Webcam zusammen. Denn nicht alle können an den Gebeten in der Moschee teilnehmen, zum Beispiel Menschen aus der Risikogruppe. Sie sollen aber nicht auf das Gefühl des Ramadan verzichten müssen."
Abdelaaziz Fachrou, Gemeindevorstand Majid Assalam in Düsseldorf

Die Gemeinde in Düsseldorf bietet deshalb an, über Webcam gemeinsam zu beten. So soll das Ramadan-Gefühl auch in die Wohnzimmer der Gemeindemitglieder kommen. Gebete und Predigten online verfolgen oder das Fastenbrechen über Web-Video begehen – für manche ist das einfach nichts.

Im kleinen analogen Kreis

So etwa für Rashid Bassit. Seine Eltern waren letztes Jahr in Marokko. Deshalb haben sie per Handkamera den Iftar trotz tausender Kilometer Entfernung zusammen verbracht. Richtige Stimmung sei dabei nicht aufgekommen. Rashid leidet darunter. Deswegen hat er für dieses Jahr beschlossen: Lieber im ganz kleinen Kreis, aber dafür ohne auf einen Bildschirm zu schauen.

"Dieser Monat ist sehr heilig für uns. Man ist einfach glücklich und trifft andere Muslime, die auch glücklich sind. Man redet darüber, auch übers Essen. Jetzt kommen die Leute schnell einkaufen und tschüss."
Fouad Benkaid, Supermarkt-Inhaber

Ramadan ist ein Fest-Monat. Doch dieses Jahr ist alles anders. Die Menschen beeilen sich, anstatt wie sonst zu quatschen und sich auszutauschen, berichtet Supermarkt-Inhaber Fouad Benkaid. Denn: Die Angst sei eben immer im Hinterkopf. Die Menschen wollen sich nicht länger als nötig im Supermarkt aufhalten, um das Infektionsrisiko gering zu halten.

Trotzdem wichtiger Monat im Jahr

Aber trotz Corona bleibt Ramadan der wichtigste Monat für muslimische Menschen. Seyfuddin Distarevic rät deshalb, zu versuchen die Zeit im engsten Familienkreis zu genießen.