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Die Black-Lives-Matter-Bewegung hat die großen Tech-Firmen für ihre rassistischen Strukturen kritisiert. Die haben darauf reagiert. Netzreporterin Martina Schulte berichtet, was sich seitdem getan hat.

Nach massiver Kritik haben Facebook, Google, Twitter und Co mehr Inklusion und den Kampf gegen systembedingten Rassismus versprochen. Einige Versprechen wurden auch gehalten, sagt Martina Schulte.

Plus: Mehr Geld und Aufmerksamkeit

So hätten fast alle Tech-Firmen ein- bis zweistellige Millionenbeträge, in einigen Fällen sogar Milliarden, in externe Anti-Rassismus-Projekte, schwarze Unternehmen und Creator sowie interne Anti-Rassismus-Trainings und andere systemische Umstrukturierungen gesteckt. Außerdem seien sie aufmerksamer geworden, wenn es darum geht, sprachlichen Rassismus zu bekämpfen.

Darüber hinaus wird es schon schwieriger mit den Versprechen, ergänzt unsere Netzreporterin. So hat sich zum Beispiel Facebook das Ziel gesetzt, in den nächsten fünf Jahren 30 Prozent mehr schwarze Managerinnen und Manager in Führungspositionen zu bringen und die Anzahl nicht-weißer Angestellter insgesamt zu verdoppeln, berichtet sie, da ist also noch Luft nach oben.

Minus: Defizite bei Mitarbeitenden und Inhalten

Gleichzeitig müsse sich Facebook von seinen Content-Moderatoren und Content-Moderatorinnen vorwerfen lassen, dass sie unterbezahlt sind und schlecht behandelt werden. In dem Job arbeiten überwiegend nicht-weiße Menschen, erklärt Martina.

Außerdem kritisiere die Nichtregierungsorganisation "Change the terms", die sich gegen Hass und Rassismus im Netz einsetzt, Facebook dafür, in dem Bereich nicht genug getan zu haben. Die NGO hatte unter anderem einen Anzeigenboycott gegen Facebook mitorganisiert. "Change the terms"-Mitgründerin Jessica J. González sagte dem Guardian, Facebook nähme Hinweise auf Gewaltaufrufe immer noch nicht ernst genug – egal, ob sie jetzt vom Präsidenten der Vereinigten Staaten stammten oder von radikalen Militia-Gruppen.

Bekämpfung von Rassismus: Twitter konsequenter als Facebook

Twitter sei da deutlich entschiedener gegen Hatespeech vorgegangen, meint Martina Schulte. Auch bei den Tweets von Noch-US-Präsident Donald Trump. Zudem hat Twitter als erste Plattform einige bekannte Rassisten rausgeworfen, wie zum Beispiel Dave Duke, den Führer des Kuklux-Clans oder den offen rassistisch argumentierenden Ex-Trump-Berater Steve Bannon, zählt sie auf. Außerdem folgte Twitter Anfang des Monats der Forderung der Bürgerrechtsorganisation "Color of Change" und verbot entmenschlichende Rede auf der Plattform aufgrund von "Rasse, Ethnie und nationalem Ursprung." Theoretisch können damit solche Kommentare leichter blockiert werden.

"Damit ist es – zumindest in der Theorie – leichter, rassistische Kommentare auf Twitter zu blockieren. Das ist ganz ok, ich würde sagen Schulnote 3+, denn da ist noch Luft nach oben."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Nicht so richtig abgeliefert haben Youtube und Google, sagt unsere Netzreporterin. Auch die Video-Plattform habe zwar die rassistischen Proud Boys rausgeschmissen, ebenso wie David Duke und noch ein paar andere Rassisten mit großer Reichweite. Auch gegen rassistische, rechtsextreme Influencer gehe Youtube jetzt härter vor.

Google und Youtube müssen mehr tun

Aber darüberhinaus gebe es noch viel Verbesserungsbedarf. Denn Youtube sei lange ein Biotop für rassistischen Content aller Art gewesen, wie der Guardian es ausdrückte. Viel zu spät, nämlich erst nach der US-Wahl, sei zum Beispiel entschiedener gegen Missinformationen vorgegangen worden.

"Das passt zum Gesamtbild von Youtubes Mutterfirma Google, die viel versprochen und eher unterdurchschnittlich abgeliefert hat."
Martina Schulte, Netzreporterin

Aber nicht nur in dieser Sache habe Google "eher unterdurchschnittlich abgeliefert". Auch beim Versprechen, die Mitarbeiterschaft zu diversifizieren und die Algorithmen weniger rassistisch zu machen, klafft eine Lücke zur Realität, sagt Martina Schulte. So sollte die schwarze Ethik-Beraterin Timnit Gebru mit ihrer Forschung helfen, den Google-Algorithmus zu verbessern.

Sie wurde gefeuert, weil sie das Unternehmen öffentlich beschuldigt hatte, ihre Forschungsergebnisse zu unterdrücken und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen schlecht zu behandeln, erinnert unsere Netzreporterin.