Eine Verkehrskontrolle ist bei der Polizei Routine. Eine Studie von US-Forschenden weist nach, dass Polizeikräfte schwarze Menschen in einem anderen Tonfall ansprechen als weiße.

Von Vorfällen rassistischer Polizeigewalt in den USA gibt es etliche Videos im Netz. Sie zeigen die Härte, mit der Polizistinnen und Polizisten gegen People of Color in vielen Fällen vorgehen.

Neben diesen Augenzeugendokumenten von Beobachtenden und Beteiligten werden Polizeieinsätze in den USA grundsätzlich auch von den Polizeimitarbeitenden dokumentiert. Polizistinnen und Polizisten tragen sogenannte Body Cams an ihrer Uniform, die aufzeichnen, was bei einer Polizeikontrolle passiert.

Die Tonaufnahmen dieser Body Cams haben Forschende der University of Michigan jetzt untersucht. In ihrer Studie kommen sie zu dem Ergebnis, dass der Tonfall von Polizistinnen und Polizisten kühler, härter und weniger respektvoll ist, wenn sie mit schwarzen Männern sprechen. Der Tonfall ist der Untersuchung zu Folge also ein systematisch anderer als bei Begegnungen der Polizistinnen und Polizisten mit weißen Amerikanern.

Kühl, hart und wenig Respekt

Alle Audios kamen aus Verkehrskontrollen in den USA, bei denen die Polizei weiße und schwarze Männer angehalten hat. Für ihre Analyse haben die Forschenden die Aufnahmen so bearbeitet, dass nur die Stimme der Polizistin oder des Polizisten zu hören ist. Zusätzlich haben sie das Audio mit einem speziellen Filter verfremdet, sodass auch der Inhalt des Gesprächs unverständlich und der Fokus auf dem Tonfall liegt.

Die kontrollierten Person war nach dieser Bearbeitung nicht mehr erkennbar, also anonymisiert.

Im Anschluss haben die Forschenden mehr als 400 Studienteilnehmenden jeweils zehn Sekunden von den Tonaufnahmen vorgespielt. Auf einer Skala von eins bis sechs durften die Teilnehmenden Punkte vergeben. Der Wert eins stand für extrem unfreundlich und sechs für extrem freundlich.

Eindeutiger Zusammenhang

Ihre Angaben zeigten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Tonfall der Polizisten und der Hautfarbe der kontrollierten Person. Unabhängig von ihrer Ethnie oder ihrem Geschlecht haben die Studienteilnehmenden das gleich empfunden.

Hatten sie allerdings selbst vor kurzer Zeit schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht, bewerteten die Studienteilnehmenden den Tonfall in den Audioaufnahmen als besonders hart.

"Es gab eine klare Korrelation zwischen dem Tonfall und der Hautfarbe des Fahrers, der kontrolliert wurde."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Forschenden schlagen deshalb vor, US-Polizistinnen und Polizisten hinsichtlich ihrer Ansprache zu schulen, damit sie diese in Zukunft reflektieren und verändern können.