Im Advent reden immer alle von Innehalten und Besinnlichkeit. Wer aber in diesen Tagen beim Innehalten auf die Welt schaut, sieht gewaltige Krisen von Syrien bis zur Krim, von Paris bis Brüssel - und Afrika gilt nach wie vor als der vergessene Kontinent. Vom weihnachtlichen Frieden ist weit und breit keine Spur zu sehen.

Frisch von Bundesregierung und Bundestag beschlossen ist der Militäreinsatz in Syrien. Führen unsere deutschen Soldaten dort nun Krieg oder tragen sie zu einer besseren, friedvolleren Welt bei? Der Bundeswehr wird immer wieder vorgeworfen, sie wolle ihrem Selbstverständnis nach mit Waffen und Soldaten genau in solche Krisengebiete ziehen, da sie ja sonst keine Daseinsberechtigung habe. Darauf verweisen Redner in unserer Sendung. Ist die Bundeswehr eher ein Robocop oder tatsächlich Friedensstifter?

"Auch bei denen, die aus dem Einsatz äußerlich unversehrt zurückkehren, können sich bleibende Spuren zeigen."
Volker Barth, Brigadegeneral

Was bringen die Aufstockung des deutschen Personals in Mali und die Hilfe für die Franzosen bei ihren Luftschlägen gegen die IS? Muss Deutschland wirklich am Hindukusch verteidigt werden, wie es der ehemalige SPD-Politker und Verteidigungsminister Peter Struck einmal formulierte?

Rückerinnerung an die früheren Aufgaben der Bundeswehr

In einer besonderen Mixtur - Kirche und Bundeswehr - haben diverse Veranstalter auf einem Friedensethischen Studientag am 23.2.2015 in Koblenz versucht, näher an mögliche Antworten heranzukommen: der Evangelische Kirchenkreis Koblenz, die Evangelische Militärseelsorge, die Landeszentrale für politische Bildung und das Zentrum Innere Führung. Oberstleutnant André Wüstner erinnert seine Hörer an die ersten Aufgaben der Bundeswehr in den 1960er Jahren, als diese nicht mehr nur auf die Landesverteidigung beschränkt wurden.

"Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, wo wir uns weltweit heute so befinden? Welche Krisen und Konflikte wir aktuell auf der Tagesordnung haben?"

Für Berthold Meyer von der Marburger Philipps-Universität zeichnen sich gute Soldaten dadurch aus, dass sie Kollateralschäden so gering wie möglich halten. Da die Soldaten nicht im politikfreien Raum agierten, hätten die Entscheidungsträger eine Verantwortung, die nicht einfach auf die militärische beschränkt werden könne. Vielmehr dürfe diese nur dann eine Rolle spielen, wenn sie unvermeidbar ist.

"Politische Verantwortung kann und wird aber immer wieder diejenigen, die zu entscheiden haben, in Dilemma-Situationen führen, aus denen sie nicht ohne Fehler gemacht zu haben herauskommen."

Bundeswehr: Oberstleutnant André Wüstner zum Frust in der Truppe