Es ist ein bekanntes Motiv im Film: Der weiße Mensch, der einen Schwarzen rettet. "White Saviourism" wurde lange Zeit von weißen Künstlern in der Popkultur geprägt und wiederholt sich immer wieder. Journalistin Alice Hasters meint, es wird Zeit, dass wir anfangen, andere Filme zu schauen. Filme, die kritisch mit dem Thema Rassismus umgehen und keinen White-Saviour-Charakter haben, die gibt es nämlich.

Journalistin Alice Hasters hat sich gedacht: Nicht schon wieder! Sogar im Film "Green Book" taucht "White Saviourism" auf. Das Motiv, das schon in so vielen Filmen verwendet worden ist: Ein weißer Mensch setzt sich für nicht-weiße Menschen ein und wird allein dadurch zum Held. 

Green Book - ein Feel-Good-Movie

"Green Book" hat in diesem Jahr den Oscar für den besten Film bekommen. Inhaltlich geht es zwar um den schwarzen Pianisten Don Shirley, der zur Zeit der Rassentrennung eine Tour durch die Südstaaten machen will - erzählt wird die Geschichte aber aus Sicht seines weißen Begleiters, der eigentlich Rassist ist. Während der Fahrt entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden, was sehr an den Film "Ziemlich beste Freunde" erinnert. Ein typischer "Feel-Good-Movie", sagt Alice Hasters.

"Der weiße Fahrer Tony ist der Held. Seine einzige Heldentat besteht eigentlich nur darin, dass er sich trotz seiner Vorurteile mit einem Schwarzen anfreundet."
Alice Hasters, Journalistin über die Erzählperspektive des Films "Green Book"

Alice Hasters findet die Erzählperspektive problematisch, denn eigentlich gehe es um den wahnsinnig interessanten Pianisten Don Shirley: "Ein Virtuose, ein Ausnahmetalent, der übrigens auch queer ist, und einen Doktor in Psychologie hat", sagt Alice Hasters. Das erfahre der Zuschauer aber alles nur am Rande - wirklich abgefeiert werde der weiße Protagonist. Alice Hasters kritisiert, dass es diese Erzählform in vielen Hollywood-Filmen gebe - was aber schlicht White Saviourism sei.  

"Diese Erzählung und der Fokus auf die weiße Figur, die die nicht-weiße Person rettet und ihr eine neue Welt aufzeigt. Das ist ein ganz typisches Narrativ."
Alice Hasters, Journalistin, begründet ihre Kritik am Film "Green Book"

Beispiele für White Saviourism gebe es haufenweise, sagt Alice Hasters. Unter anderem in "The Help", wo Emma Stone schwarzen Haushälterinnen vermeintlich hilft, weil sie ein Buch über sie schreibt. Oder "The Blind Side", mit Sandra Bullock, wo eine weiße Familie einen schwarzen Jungen aufnimmt, der später Footballstar wird. Andere Filme dieser Art sind "Der mit dem Wolf tanzt", "Last Samurai", "Django Unchained", oder "Winnetou". 

"Eigentlich alle Filme, wo das Leben von People of Color durch einen weißen Menschen erzählt wird, der zufällig in ihr Leben tritt", so Alice Hasters.

White Saviour hat etwas Beruhigendes​

Der Soziologe Matthew Hughey hat ein ganzes Buch über das Thema "White Saviour in Film" geschrieben. Er vermutet, dass White Saviour etwas Beruhigendes hat und die Filme gegen die Angst arbeiten, dass weiße Menschen beim Thema Rassismus "die Bösen" sind, fasst Alice Hasters zusammen. 

Matthew Hughey schreibe auch, dass es etwas mit Macht zu tun habe, denn die Filme werden meist von weißen Menschen geschrieben und produziert. Die Idee des White Saviours sei damit eine Fortsetzung eines sehr alten Narrativs aus der Kolonialzeit, wonach weiße Menschen die Welt retten; sie aber auch vereinnahmen, so Alice Hasters.

Es gibt auch Filme über Rassismus ohne White Saviour

Glücklicherweise erregt das Thema Rassismus im Film, und wie nicht-weiße Menschen in der Filmbranche dargestellt werden, spätestens seit den Oscars 2016 Aufmerksamkeit. Durch den Hashtag #Oscarssowhite und die daran angeschlossene Debatte, ist vielen überhaupt erst klar geworden, wie sehr die Filmbranche von weißen Menschen geprägt ist. 

Immerhin gebe es inzwischen einige Beispiele von Filmen, in denen Schwarze ihre eignen Geschichten erzählen. "Black Panther" ist sicherlich der prominenteste - der Film wurde allein mit drei Oscars ausgezeichnet. Nennenswert sei auch "Get Out" vom Schwarzen Filmemacher Jordan Peele, der 2018 einen Oscar gewonnen hat, oder "Blackkklansman" von Spike Lee. Der war dieses Jahr nominiert. 

"Das sind Filme mit schwarzen Hauptcharakteren, die alle auf ihre Art sehr kritisch mit dem Thema Rassismus umgehen - und das ohne White Saviour Charakter. "
Alice Hasters, Journalistin

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