Vor 55 Jahren, am 18. März 1965 unternimmt der russische Kosmonaut Alexej Leonow als erster Mensch einen "Weltraumspaziergang". Zehn Minuten schwebt er im All. Ein Materialfehler kostet ihn dabei fast sein Leben.

Anfangs klappt alles gut. Rund 400 Kilometer von der Erde entfernt verlässt Alexej Leonow die Raumkapsel Woschod-2 durch eine Schleuse und schwebt als erster Mensch jemals im Orbit. An einer recht kurzen Leine zugegebenermaßen – das Kabel, das ihn mit der Kapsel verbindet, ist rund fünf Meter lang.

Elastischer Stoff wird lebensgefährlich für Kosmonauten

Aber die Ingenieure hatten eines nichts bedacht: Der Stoff der Raumanzüge ist zu elastisch – und das kostet Alexej Leonow fast das Leben. Im Orbit herrscht Vakuum, erklärt Michael Büker, im Raumanzug aber ein leichter Druck. Dadurch bläht der Anzug sich auf. Leonow passt auf dem Rückweg schlicht nicht mehr durch die Schleuse.

Und ein weiteres Problem macht ihm zu schaffen. Damals weiß man noch nicht, so Büker, dass die Körperwärme der Raumfahrer aus dem Raumanzug abgeführt werden muss. Und so wird es Alexej Leonow sehr heiß und er schwitzt. Dieser Schweiß rinnt wegen der Schwerelosigkeit aber nicht an ihm herunter. Er sammelt sich und wird zu einer zusätzlichen Gefahr, weil er ihm zum Beispiel in die Augen fliegt.

Alexej Leonow rettete sich selbst

Am Ende rettet der Kosmonaut sich einfach selbst. Er bewahrt die Nerven und hat die Idee, Luft aus seinem Raumanzug abzulassen. Das ist zwar sehr gefährlich, weil der Luftdruck im Anzug dadurch so niedrig wird wie auf der Erde nur auf den allerhöchsten Bergen, sein Manöver klappt aber tatsächlich: Er passt wieder durch die Luke und kann in die Raumkapsel zurückkehren.

Hätte Alexej Leonow es nicht geschafft, hätte vielleicht nie jemand davon erfahren. Denn, berichtet Michael Büker, die russische Raumfahrt hatte damals ein Prinzip: Geheimhaltung! Raumflüge wurden erst bekannt gemacht, wenn Raketen schon erfolgreich gestartet waren. Die Sowjetunion wollte damit um jeden Preis vermeiden, dass Fehlschläge bekannt werden. Das ging so weit, dass der Tod eines Kosmonauten während eines Trainings jahrelang vertuscht wurde.

Alexej Leonow nahm danach noch an weiteren Weltraummissionen teil. Er starb erst vor Kurzem, im Oktober 2019.