Die Internationalen Raumstation ISS erhält einen Balkon. Der bietet nicht nur einen einmaligen Ausblick auf die Erde und das All, sondern stellt auch einen Platz bereit, an dem Experimente für Material- und Strahlenforschung durchgeführt werden können. Wer das nötige Kleingeld hat, kann auch kleine Einheiten auf dem Balkon für eigene Versuche mieten.

Der neue Balkon, den die Internationalen Raumstation ISS bekommt, heißt Bartolomeo. Auf der ISS gibt es bereits ein Labor, das nach Christoph Kolumbus benannt wurde. Der Balkon wurde Bartolomeo Kolumbus getauft, angelehnt an den Namen des jüngeren und unbekannteren Bruders des Entdeckers.

Neben dem Ausblick, den die Bartolomeo-Plattform auf die Erde und den Weltraum bietet, dient sie in erster Linie für Experimente. Hier soll erforscht werden, wie sich Strahlung über einen längeren Zeitraum auf Sporen und Bakterien auswirkt.

"Der Airbus-Konzern kann mit der Plattform auch Geld verdienen: Die wollen nämlich den Balkon weitervermieten."
Nele Rößler, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Zum einen kann jetzt auf der ISS mehr geforscht werden, weil der Platz für Experimente durch die Bartolomeo-Plattform vergrößert wurde. Aber der Bau des Balkons hat auch einen finanziellen Hintergrund. Die Plattform wurde gebaut, um Geld damit einzunehmen.

Nebeneinnahmequelle der Europäischen Weltraumorganisation

Der Balkon ist Teil der sogenannten Kommerzialisierungsinitiative der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Insgesamt hat die ESA einen Etat von 5,6 Milliarden Euro im Jahr. Der wird nicht nur von Deutschland finanziert, sondern von allen beteiligten Europäischen Staaten. Trotzdem wollte die ESA für Nebeneinnahmequellen sorgen. Das hat mit dem Bartolomeo-Balkon auch funktioniert: Der Airbus-Konzern hat der ESA 40 Millionen Euro bezahlt, um die Forschungsplattform bauen zu dürfen.

Gut investiertes Geld für den Airbus-Konzern, denn der plant, den Balkon an weitere Interessenten weiterzuvermieten.

Kleinste Einheit kostet 100.000 Euro pro Jahr

Der Bartolomeo-Balkon ist in würfelförmige Einheiten unterteilt, die eine Kantenlänge von zehn Zentimetern haben. Die kleinste buchbare Einheit, die man mieten kann, sind drei Würfel pro Jahr. Die Miete dafür beträgt 100.000 Euro. Als potenzielle Mieter hofft der Airbus-Konzern auf Unternehmen, Universitäten und Schulen, die eigene Experimente auf der Raumstation durchführen wollen.