Deutschland hat das Zeug zum Raumfahrtstandort: Vom Rostocker Flughafen können Flieger mit Raketen ins All starten. Doch es gibt sehr viel Konkurrenz.

Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern hat vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt überprüfen lassen, ob der Flughafen Rostock-Laage sich für Weltraumflüge eignet. Antwort: Ja, das geht.

Wenn wir an einen Start ins All denken, haben wir Raketen vor Augen, die mit viel Rauch und Feuer in den Himmel jagen. Darum geht es hier aber nicht. "Es geht um horizontale Starts mit Raketen oder Raumflugzeugen, die ihrerseits an einem großen Flugzeug hängen und weit oben in der Luft ausgeklinkt werden", erklärt Astrophysiker Michael Büker.

Weltraumflugplatz für kleine Satelliten und Weltraumreisen

Die Idee ist also folgende: Auf dem Flughafen startet ein Flugzeug, das eine kleine Rakete abwerfen kann, die wiederum einen Satelliten in die Erdumlaufbahn schickt. "Die Technik ist allerdings nur für kleine Satelliten geeignet", sagt Michael Büker.

Von den paar tausend Satelliten, die bisher ins All geschossen wurden, sind nur wenige Dutzend vom Flugzeug aus ins All gestartet. Zwar haben zahlreiche Firmen Interesse an diesem Markt, aber bisher konnte sich erst ein Unternehmen richtig durchsetzen. Die Zukunft der Raumfahrt würde also eher nicht in Rostock geschrieben. "Für große Satelliten und Flüge zu Raumstationen wird man auch weiterhin große Raketen brauchen."

"Weltraum-Flugzeuge, wenn sie denn in absehbarer Zeit marktreif werden, könnten Touristen auf ganz kurze Weltraum-Ausflüge hochschießen."
Michael Büker, Astrophysiker

Klein-Satelliten sind aber dennoch wichtig. Die werden benötigt für die Kommunikation, zur Erdbeobachtung oder für wissenschaftliche Experimente. Auch für den Tourismus könnte Rostock Anlaufstelle werden: "Weltraum-Flugzeuge, wenn sie denn in absehbarer Zeit marktreif werden, könnten außerdem Touristen auf ganz kurze Weltraum-Ausflüge hochschießen", sagt Michael Büker. "Das wäre aber nur ein Spaß für Reiche."

Deutschland will ins All

Auf jeden Fall wäre ein Weltraumflughafen Rostock-Laage eine Chance für Deutschland als Weltall-Standort. In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Raumfahrt nämlich grundlegend gewandelt: weg von reinen staatlichen Großunternehmungen, hin zu einer Vielzahl großer und kleiner Firmen, die Wege ins All anbieten wollen für Gerätschaften und Menschen, erklärt Michael Büker: "Deutschland möchte dabei unbedingt mitmischen, und klopft jetzt fieberhaft alles darauf ab, ob man von Deutschland aus ins All kommt."

"Ich bin skeptisch, ob sich Firmen, die sich auf der ganzen Welt Startplätze aussuchen können, ausgerechnet für Deutschland interessieren. Das ist keinesfalls selbstverständlich."
Michael Büker, Astrophysiker

Der Astrophysiker ist skeptisch, ob sich Deutschland als ein solcher Standort etablieren könnte. Zwar sei die Idee machbar, aber die Firmen können sich Startplätze auf der ganzen Welt aussuchen. Die Konkurrenz ist also nahezu unüberschaubar.