Rohes Gemüse gilt als gesund, aber rohes Wasser? Manche Amerikaner schwören auf ungefiltertes Wasser - ganz ohne Zusätze. Klingt gesund, aber ist es das auch? Johannes Döbbelt hat sich für uns umgehört.

Es ist eine große Streitfrage: Wasser direkt aus der Leitung oder doch lieber Wasserkästen schleppen? Manche Amerikaner wollen ihr Wasser am liebsten unbehandelt trinken - Raw Water heißt das. Mehrere Start-ups verkaufen dieses natürliche und angeblich gesündere Wasser für viel Geld an ihre Kunden. Dabei sagen Fachleute: Vorsicht, dieses Wasser kann Erkrankungen hervorrufen.

Dlf-Nova-Reporter Johannes Döbbelt hat für uns herausgefunden, was hinter dem Trend steckt. Raw Water bezeichnet Wasser, aus Flüssen oder Quellen. Es ist ungefiltert, unbehandelt, ohne Zusätze wie zum Beispiel Chlor und Fluorid. Fluorid ist auch in der Zahnpasta enthalten und gilt als gut für die Zähne. In Teilen der USA kommt aus diesem Grund auch ein bisschen Fluorid ins Leitungswasser.

Raw Water ist ziemlich teuer. Eine Plastikflasche der Marke Tourmaline Spring kostet 2,50 Euro pro Liter. Die des Konkurrenten Live Water war in einem Laden in San Francisco bis vor Kurzem noch für 3 Euro pro Liter zu haben. Aufgrund der hohen Nachfrage liegt der Preis mittlerweile bei 5 Euro pro Liter. Das Produkt war zwischenzeitlich ausverkauft.

Marketing und Geschäftstüchtigkeit

Die Hersteller von Raw Water behaupten, Wasser aus der Leitung oder aus Plastikflaschen sei schlecht und ungesund. Vor allem, weil es nach dem Filtern angeblich keine gesunden Mineralien und Bakterien mehr enthalte - anders als das Raw Water. Außerdem müssen sie für die Wasseraufbereitung kein Geld aufwenden. Das hört sich nach viel Marketing und ein bisschen Geschäftstüchtigkeit an. 

Bleibt die Frage, ob auch im deutschen Leitungswasser keine wichtigen Mineralien mehr enthalten sind.

• In Deutschland wird viel Trinkwasser aus dem Grundwasser gewonnen.  Bevor es im Boden landet, ist schon einmal durch verschiedene Gesteinsschichten gewandert.
• Es wird also auf natürliche Art und Weise gefiltert, Schadstoffe bleiben im Gestein hängen.
• Gleichzeitig reichert sich das Wasser mit Mineralien an.

"Beispielsweise Kalzium, Magnesium, Kalium und die sind gesundheitlich nötig. Die findet man auch grundsätzlich in Quellwässern."

Es kann sogar sein, dass  unbehandeltes Quell-Wässer, also das Raw Water, das in den USA verkauft wird, gesundheitsschädlich ist. Das Problem: Das "rohe Wasser" stammt  zum Teil auch aus Flüssen und kann deshalb auch schädliche Stoffe wie Arsen oder Nitrate enthalten, die aus Industrieabwässern oder aus der Landwirtschaft in der Umgebung stammen. Außerdem können  Krankheitserreger von Enten oder anderen Vögeln den Fluss verunreinigen.

"Insofern wird es sehr schwierig sein, so ein Wasser keimfrei zu halten. Ein kleiner Gebirgsbach, der aus dem Berg austritt. Das wäre eine Quelle, die man unbehandelt trinken kann."
Jörg Drewes, Professor für Siedlungswasserwirtschaft TU München

Es ist außerdem unklar, wie gut die Raw-Water-Anbieter ihr Wasser kontrollieren, bevor sie es verkaufen. In den USA gibt es zwar auch Grenzwerte für bestimmte Stoffe im Wasser, aber teilweise müssen sich die Hersteller nicht daran halten. 

Der US-Bundesstaat Maine hat Tourmaline Spring eine Ausnahme von diesen Grenzwerten gewährt, damit das Unternehmen sein unbehandeltes Wasser verkaufen kann.