Wenige Wochen nachdem George Floyd aufgrund von Polizeigewalt gestorben ist, kam es am Abend des 12. Juni in Atlanta erneut zum Tod eines Afroamerikaners durch einen weißen Polizisten.

Durch zwei Schüsse in den Rücken starb der 27-jährige Rayshard Brooks, die ein Polizist abgefeuert hatte. Das Video der Bodycam von einer der beiden Polizisten zeigt, dass es zuvor zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen den weißen Polizisten und Rayshard Brooks kam, als diese versuchten, ihm Handschellen anzulegen.

Dabei gelang es dem 27-Jährigen, einem der beiden Polizisten einen Elektroschocker zu entreißen. Als Rayshard Brooks anschließend vor den Polizisten wegläuft, kommt es zu den tödlichen Schüssen.

Grund für die Polizeikontrolle war, dass der 27-Jährige in seinem Auto eingeschlafen seien soll, während er sich in dem Drive-Thru eines Fast-Food-Restaurants befand, berichtet CNN und bezieht sich auf die landesweite Strafverfolgungsbehörde des US-Bundesstaats Georgia.

Tod hat Proteste weiter angefeuert

Als Reaktion auf den neusten Vorfall von Polizeigewalt kam es in Atlanta zu Protesten. Das Schnellrestaurant, vor dem Rayshard Brooks erschossen wurde, setzten Demonstrantinnen und Demonstranten in Brand. Der Tod von Rayshard Brooks feuert die Proteste innerhalb der USA weiter an.

Atlantas Polizeichefin Erika Shields, die sich gegen Polizeigewalt einsetzt, ist mittlerweile zurückgetreten. Und auch die Bürgermeisterin der Stadt, Keisha Lance Bottoms, zweifelt den Waffeneinsatz des Polizisten an, wie sie in einer Pressekonferenz erklärte. Sie forderte dessen sofortige Entlassung, welche die Polizei wenig später bestätigte. Der zweite Polizeibeamte ist vom Dienst suspendiert. Diese Woche soll zu einer Anklage durch die Staatsanwaltschaft kommen, berichtet Deutschlandfunk-Korrespondent für die USA Thilo Kößler.

Ein Viertel der Opfer von Polizeischüssen aus schwarzer Community

Der Tod von Rayshard Brooks habe wieder deutlich gemacht wie groß das Problem der Polizeigewalt in den USA sei, das in Zusammenhang mit strukturellem Rassismus stehe, sagt Thilo Kößler.

Seit 2015 sind laut der offiziellen Statistik 5400 Menschen durch eine Polizeiwaffe ums Leben gekommen, erklärt Thilo Kößler. Unter den Toten gehörten ein Viertel zur schwarzen Community, gleichzeitig machen Afroamerikanerinnen und Afroamerikanern nur 13 Prozent der Gesamtbevölkerung in den USA aus. Sie werden demnach überdurchschnittlich oft Opfer von Polizeigewalt.

"Seit 2015 sind es 5400 Menschen, die durch eine Polizeiwaffe ums Leben gekommen sind. Ein Viertel von ihnen waren Afroamerikaner. Sie machen nur 13 Prozent der Bevölkerung aus."
Thilo Kößler, Deutschlandfunk-Korrespondent für die USA

Die US-Demokraten haben jetzt einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die sogenannte qualifizierte Immunität von Polizistinnen und Polizisten einschränken soll. In den USA ist dies ein rechtlicher Schutz der Polizeibeamten vor einer Strafverfolgung. Zudem fordern die Demokraten ein Verbot von Polizeipraktiken, wie etwa das Knie in den Nacken einer verdächtigten Person zu legen, und auch eine Datenbank zur Erfassung von Polizeigewalt. Letzterem stimmen auch die US-Republikaner zu.

Und auch die Ausbildung von Polizistinnen und Polizisten steht diese Woche in Ausschüssen zur Diskussion. "Eines ist aber sicher: Trump wird kein Gesetz unterzeichnen, das die Polizeigewalt in irgendeiner Weise einschränkt", sagt der Deutschlandfunk-Korrespondent.