Viel Solidarität - aber auch einige geschmacklose Äußerungen - wie im Netz auf die Ermordung der Journalisten von Charlie Hebdo reagiert wird.

Ganz Europa ist noch geschockt von dem brutalen Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo. #JeSuisCharlie ist in den Twittertrends gerade ganz weit oben. Im Netz, auf Demos, in den Medien: Überall wird der Anschlag auf Charlie Hebdo verurteilt, überall drücken die Menschen ihre Solidarität mit der Satirezeitung aus - und mit den Opfern. Leider nutzen manche die Ereignisse aber auch für Hetze gegen Muslime, berichtet Netzautor Andreas Noll.

Bemerkenswert und in dieser Geschwindigkeit überraschend, war die Solidaritätswelle im Netz. Viele User haben den Anschlag so verstanden, wie er sicher von den Tätern gemeint war: als Anschlag auf die Pressefreiheit, auf die westlichen Werte in Europa. Sichtbar wurde diese Solidaritätswelle gestern Abend bei den Demonstrationen in Frankreich. Mehr als 100.000 Menschen sind auf die Straße gegangen. Aber auch im Ausland. In Berlin, in London und vielen weiteren Städten konnte man diese Welle des Mitgefühls und der Solidarität beobachten.

Vorbereitet wurde diese Abstimmung mit den Füßen am Rechner zu Hause. Schon am Nachmittag waren in den Twitter-Timelines viele User zu sehen, die ihr Foto durch einen Schriftzug: "Je suis Charlie" ersetzt hatten. Das ging in die Zehntausende. Heute früh kann man sagen: die Aussage - die Terroristen haben nicht nur Journalisten und Polizisten getroffen, sondern auch jeden einzelnen - wurde millionenfach geteilt. Auf Twitter, auf Facebook und überall sonst, wo sich User im Netz äußern.

Nicht nur einfache User, sondern auch die Medien haben diesen Slogan aufgenommen. Die Website des Figaro ist heute schwarz umrandet. Mit dem weißen Schriftzug "Ich bin Charlie". Gestern Nachmittag machte ein Foto von Mitarbeitern der Presseagentur AFP die Runde: Dutzende Journalisten sitzen im Newsroom und halten Zettel mit dem Schriftzug "Ich bin Charlie" hoch. Le Monde, Liberation oder auch die deutsche Bild-Zeitung und natürlich die einzige deutsche Satire-Zeitung, die ein bisschen mit Charlie Hebdo zu vergleichen ist, die Titanic - Medien unterschiedlichster Ausrichtung vereinen sich unter einem Slogan.

Neben dieser Welle des Mitgefühls gab es natürlich auch kritische Äußerungen. Politiker in Frankreich und auch in anderen Staaten sehen die Gefahr, dass aus einer positiven Botschaft, wie einem Ja zur Pressefreiheit eine Botschaft der Abgrenzung wird. Und man kann auf Twitter sehr schön sehen, was passiert, wenn diese Tonart angeschlagen wird. Von einem geschmacklosen Tweet der CDU-Bundestagsabgeordneten Erika Steinbach berichtet zum Beispiel Stern Online. Und auch bei unseren Nachbarn in der Schweiz wird über eine Politiker-Äußerung debattiert.