Es ist etwa halb drei nachmittags, als Aisha aus Somalia in einem Supermarkt in Brandenburg einkaufen geht. Auf dem Weg nach Hause wird sie von Jugendlichen geschlagen, umgestoßen und getreten. Aisha ist schwanger. Keiner kommt zu Hilfe.

Gewalt hat Aisha in ihrem Leben schon mehrfach erlebt: Sie kommt aus Somalia. Mit 14 Jahren wurde sie zwangsverheiratet. Mit 18 Jahren konnte sie aus Somalia fliehen. Ihr Bruder und ihre Schwester sind tot. Ob ihre Eltern noch leben, weiß sie nicht. Aisha ist eine mutige Frau. Und sie hat einen starken Willen. Trotzdem wird sie eines Nachmittags, nach dem Einkauf im Supermarkt, angegriffen - von einer Gruppe Jugendlicher.

"Hallo, hallo! Warte mal! Haben sie zu mir gesagt. Aber ich habe nicht geantwortet und bin weitergegangen. Denn auch früher schon haben mich Kinder geärgert, wenn ich diese Straße lang gegangen bin."
Aisha aus Somalia, wurde von Jugendlichen angegriffen.
Porträt einer schwarzen Frau
© Angelika Fey
Aisha ist 21 Jahre alt. Seit eineinhalb Jahren lebt sie in einem Übergangswohnheim für Asylbewerber in Bad Belzig in Brandenburg.

Als Aisha nicht reagiert, kommen die Jugendlichen von hinten, stoßen sie um, schlagen sie. Aisha liegt am Boden und hält schützend ihren Arm vor ihren Oberkörper. Sie kann nicht sehen, wer sie tritt und wie viele es sind. Aber es fühlt sich so an, als wären es zwei oder drei von ihnen, die sie mit den Füßen traktieren.

"Als ich hingefallen bin, da hatte ich große Angst. Ich hatte das Gefühl, ich sterbe. Ich war so verängstigt, dass ich angefangen habe zu weinen."
Aisha aus Somalia, wurde von Jugendlichen angegriffen.

Der Vorfall vom 11. November 2015 ging durch die Medien. Viele Bewohner in Bad Belzig reagierten auf diese Nachricht geschockt. Aber Tatsache ist auch: Die rechte Szene ist in Bad Belzig ziemlich aktiv. Die NPD initiiert Kampagnen gegen das Flüchtlingsheim. Sie sitzt auch in der Stadtverordnetenversammlung und organisiert Mahnwachen. Und ein Sozialarbeiter erzählt uns:

"Ich habe Freunde, die kommen von außerhalb. Und die sind erschüttert über die Stimmung hier: Wie offen sich Neonazi-Gruppierungen in den Straßen bewegen - und auch ganz unverhohlen Parolen über das Stadtfest rufen."
Benny Stamer, Sozialarbeiter in Bad Belzig