Wie rechts ist deutscher Rap? Antworten liefert die Broschüre "Deutscher Nationalismus im Rap - ein Zwischenstand". Herausgegeben von TickTickBoom, einem Kollektiv aus über 20 Sängern, DJs, Rappern und anderen. Sie wollen nicht ein ganzes Genre runtermachen, aber zeigen, dass es rechte Tendenzen gibt, sagt der Rap-Experte Heiko Behr.

Dass in Texten mit rechtem Gedankengut geflirtet wird, ist schon lange der Fall. Das begann schon vor gut zehn Jahren, sagt Heiko. Zum Beispiel durch Rapper wie Fler, auch bekannt als Frank White. In seinem Song "Neue Deutsche Welle" aus dem Jahr 2005 geht es um Stolz und Deutsch, um Schwarz-Rot-Gold. Das Video zeigt Deutschlandfahne und Adler.

"Der Rap hat sich von einer sehr offenen, anti-rassistischen Jugendkultur gewandelt hin zu deutsch-patriotischen Statements, die sich verstärkt haben bis hin zum Neonazi-Rap."

Die NPD greift da gerne zu und nutzte schon Worte aus Songs von Fler für den Wählerfang. Nämlich "Bei mir hängt die Fahne nicht nur zur Fußball-WM" aus dem Song "Stabiler Deutscher". Die Textzeile zitierte der NPD-Kreisverband Sächsische Schweiz 2014 in einer Postwurfsendung zur Europawahl. Fler verklagte die NPD.

Fler wollte nicht mit DRadio Wissen sprechen. Heiko bekam keine Antwort von dem Rapper. Aber Fler hat sich in der Vergangenheit zu Vorwürfen geäußert. Er werde missverstanden, er sei nur stolz auf sein Land, sagte der Rapper. Für Heiko eine recht gängige Argumentation, die ihn nicht wirklich überzeugt.

"Neonazis haben dann angefangen, plötzlich Turnschuhe zu tragen statt Springerstiefel. Auf Aufmärschen haben sie plötzlich Popmusik gespielt."
Johannes Radke, Journalist und Rechtsextremismus-Experte

Neben Rappern wie Fler und anderen gibt es aber auch eine offen bekennende Neonazi-Rapperszene. "Das ist eine andere Liga als Fler", sagt Heiko. Rapper werden hier von rechten Bewegungen gezielt eingesetzt, um an junge Leute ranzukommen. So zum Beispiel im Oktober 2014: Da spielte bei der Hogesa-Demo in Köln, also Hooligans gegen Salafisten, ein Berliner Neonazi-Rapper live.

Die Broschüre von TickTickBoom geht auf solche Entwicklungen ein. Sie zeigt rechte Tendenzen im Rap auf - die Grauzone bis hin zu eindeutiger Hetze. Und erzählt, wie sich unmerklich der Tonfall im Hip-Hop ändert. Die Macher der Broschüre wollen nicht ein ganzes Genre runtermachen, sondern sensibilisieren - auch die Fans.

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