Vier Mitglieder der rechtsextremen Oldschool Society sind zu Haftstrafen zwischen drei und fünf Jahren verurteilt worden. Das Oberlandesgericht München sieht es als erwiesen an, dass die Gruppe einen Anschlag auf ein Flüchtlingsheim in Borna in Sachsen geplant hatte.

Der Verfassungsschutz ist früh auf die erste Facebook-Gruppe der Oldschool Society aufmerksam geworden. Als die Gruppierung ihre Kommunikation von Facebook zu Whatsapp und Telegram verlagerte, setzte das BKA einen verdeckten Ermittler auf sie an. Der hat die Chats mitgelesen und so von den Sprengstoffplänen erfahren. Mitglieder der Oldschool Society hatten in Form von illegalen Böllern Sprengstoff besorgt, den sie zu Nagelbomben verarbeiten wollten. Für das Gericht war das Anlass genug, die Oldschool Society als terroristische Gruppe zu verurteilen, sagt Thies Marsen, der den Prozess für DRadio Wissen beobachtet hat.  

Ihre Hochphase hatte die Gruppierung im Frühjahr 2015. Damals gehörten rund 30 Personen zur Oldschool Society, sagt Thies Marsen. In München saßen die beiden Rädelsführer, die Schriftführerin und ein Pressesprecher der Gruppe auf der Anklagebank. 

Anderes Kaliber als der NSU

Er hat den Eindruck, dass die staatlichen Behörden mit dem Vorgehen gegen die Oldschool Society auch zeigen wollten, dass sie aus dem Versagen gegenüber der NSU gelernt haben. "Auf der anderen Seite sind diese vier Leute, die da heute auf der Anklagebank saßen ein anderes Kaliber als der NSU. Der NSU war konspirativer unterwegs und hatte ein breiteres Unterstützungsnetzwerk."

Es sei allerdings wahrscheinlich, dass sich wieder rechtsextreme Gruppen wie die Oldschool Society zusammenfinden und Anschläge verüben könnten.

"Dass sich Leute im Netz radikalisieren, sich gegenseitig aufhetzen und irgendwann zur Tat schreiten, ist wahrscheinlicher als dass Gruppen wie der NSU gezielt in den Untergrund gehen und als Killerkommando unterwegs sind."
Thies Marsen