Die AfD zieht in den Bundestag ein. Doch nicht zum ersten Mal wählt Deutschland rechts, sagt Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld.

Bundestagswahl 2017

Deutschland hat die AfD in den Bundestag gewählt und damit zieht erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine Rechtsaußen-Partei ins Parlament ein. Aber historisch reicht die Erfahrung mit rechtsextremen Politikern in Deutschland weit zurück, sagt Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld. 

Nur wenige Jahre nach dem Fall der NS-Diktatur hat Deutschland zwei führende Parteimitglieder der neonazistischen Sozialistischen Reichspartei (SRP) in den Bundestag gewählt. Die beiden Kandidaten waren auf der Liste der deutschnationalen DKP-DRP in den Bundestag eingezogen. Die DKP-DRP war eine Art Nachfolger der NSDAP und wurde daher auch 1952 verboten.

Rechtsextremismus in den Landtagen

In Niedersachsen hat es die SRP als Partei 1951 in den Landtag geschafft, kurz danach auch in Bremen. Mitte der 60er Jahre hat sich dann die NPD gebildet und wurde, sagt Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld, zu einer Art Gegenpol zur Studentenbewegung. 

NPD greift Spontis an

Einige NPD-Politiker kamen aus dem nationalistischen Flügel der FDP. Profitiert hat die Partei von der ersten wirtschaftlichen Rezession, sagt Matthias von Hellfeld. Außerdem war am rechten Rand ein Vakuum entstanden, weil zu dieser Zeit die sogenannte Große Koalition in Bonn regierte.

Baden-Württemberg wählt NPD

1968 kam die NPD in Baden-Württemberg in den Landtag, ein Jahr danach scheiterte sie bei der Bundestagswahl knapp. Aus der NPD hat sich dann die Deutsche Volksunion (DVU) des Verlegers Gerhard Frey entwickelt. Die DVU schaffte es in den 80er Jahren in Sachsen-Anhalt in den Landtag und in die Bremer Bürgerschaft. Jetzt, 2017, haben wir die AfD.

Die AfD ist nach Meinung der meisten Experten und Forscher eine rechtsextreme Partei.
Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte, Matthias von Hellfeld

Ängste lassen Rechte erstarken

Die konkreten Gründe für das Erstarken der Rechten waren oft: Angst vor wirtschaftlichem Niedergang, vor sozialen Revolten von links und vor einer angeblich drohende Überfremdung.

"Es waren unterschiedliche politische Verhältnisse, in denen Rechtsextremisten hochgekommen sind, aber die Rhetorik ist relativ ähnlich geblieben."
Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte, Matthias von Hellfeld